Donnerstag, 22.08.2013
4:00 Uhr
Der Handywecker vibriert und dudelt schrill seine Weckmelodie. Es ist 4:00 Uhr morgens.
Wir hatten uns fest vorgenommen, den Sonnenaufgang über dem South Rim in voller Länge zu erleben. Dafür musste man halt früh raus. Mir machte das nicht so viel aus. Dini sprach man um diese Uhrzeit besser noch nicht an. Leise zogen wir uns an, ich packte meine Foto- und Videoausrüstung ein und wir stapften durch die Finsternis, über den Mather Campground Richtung Rim.
Als wir ankamen dämmerte es schon und wir staunten nicht schlecht, als wir sahen, dass wir nicht alleine hier waren. Sämtliche Fototouristen vom Typ 1 waren auch schon wieder da. Oder waren sie vielleicht NOCH da? Typ 2 war zu dieser Uhrzeit weniger vertreten. Trotzdem war es selbst morgens um 5:00 Uhr schon ordentlich voll. Wie in einem riesigen Theater, auf die Vorstellung wartend, saßen hunderte von Menschen am Rim und an den Viewpoints verteilt und fieberten darauf hin, dass das Schauspiel begann. Damit hatten wir zu dieser frühen Stunde nicht gerechnet. Als wenn man verspätet einen Kinosaal betritt, suchten wir uns ein freies Plätzchen zwischen all den anderen Touristen. Ich hatte foto- und videotechnisch schon alles aufgefahren, was ich dabei hatte (Camcorder inkl. Stativ, GoPro inkl. Timelaps Drehstativ und DSLR mit Weitwinkel und 18-250er Reisezoomobjektiv) und trotzdem fiel ich zwischen all den Typ 1 Fotografen nicht weiter unangenehm auf. Gegen deren Ausrüstung wirkte meine D7000 mit dem 10-20er Sigma wie eine Spielzeugkamera.
Dann blitzten am Horizont die ersten Sonnenstrahlen über die Kraterlandschaft des Canyons. Ein tolles Bild und eine kleine Entschädigung für den verpassten Sonnenuntergang am gestrigen Abend.
Wieder am Wohnmobil angelangt, machten wir uns ein schönes Frühstück. Das Wetter war heute viel besser als gestern und die Frühstückstemperatur war angenehm. Nach heißem Haselnusskaffe und Toast mit Erdnussbutter packten wir unsere sieben Sachen zusammen und brachen auf.
Wir fuhren Richtung Seligman und passierten auf dem Weg zur 180 die Hubschrauberlandeplätze. Ich hätte gerne noch einen kleinen Rundflug gemacht aber Dini drängelte. Wir hatten heute wieder einen weiten Weg vor uns.
Über die 180, die 64 und die Interstate 40 brausten wir Richtung Historic Route 66. In Seligman machten wir einen Zwischenstopp.
Nun ja. Was man von Seligman halten möchte, das muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich hatte es mir etwas authentischer vorgestellt. Ich konnte mit diesem Touristennepp nichts anfangen. Dini auch nicht. "Da kann ich auch nach Fort Fun bei Olpe fahren." Das hat ähnlich viel mit einer echten Westernstadt zu tun, wie Seligman mit der historischen Route 66. Ich konnte weder mit all dem Klimbim der Souveniershops, noch mit albern verkleideten Schaufensterpuppen auf Vordächern, noch mit (zugegeben schönen) historschen Autos, die mit Hasenzähnen und Rollaugen bemalt waren, etwas anfangen. Disney Pixar`s Cars ist sicher ein supertoller Film, doch erhoffte ich mir hier einen Hauch authentisch-historischer Atmosphäre dieser legendären Straße einfangen zu können und nicht einen Mix aus Freizeitpark, Disneyfilmwerbung und billigem Touristen-Souvenierramsch serviert zu bekommen. Dieser Stopp hat sich für die 5 Route 66 Fotos im Fotoalbum gelohnt. Das war`s dann aber auch schon.
(Die Bewertung von Seligman entspringt natürlich nur meiner ganz persönlichen Einschätzung. Ich möchte hier niemanden davon abhalten diesen Ort zu besuchen. Es gibt sicher viele Leute, die ihre Freude an diesem Ort haben. Für mich war es aber leider nicht das, was ich mir erhofft hatte.)
Wir setzten unseren Weg Richtung Joshua Tree NP fort, passierten Kingman und danach den Lake Havasu mit der London Bridge.
Zwischendurch mussten wir ein heftiges Unwetter durchfahren. Unglaublich heftiger Wind und Regen wie aus Eimern und das ganze auch noch irgendwo im Niemandsland. Hier hatten wir wirklich ein sehr sehr unbehagliches Gefühl und mir schwirrten die ganze Zeit Bilder durch den Kopf, wo Tornados ganze Landstriche verwüsteten und Autos wie Spielzeugautos durch die Luft wirbelten. Zu unserem Glück kam es nicht ganz so heftig und wir checkten am Nachmittag wohlbehalten auf dem Buckskin SP Campground ein. Ein Campground mit Full Hookups (wir brauchten unseren Wasserschlauch nun doch noch einmal), direkt am Colorado.
Hier schien wieder die Sonne. Nein. Sie schien nicht, sie brannte. Es war unglaublich heiß und wir freuten uns über den Hookup und über das kühlende Bad mit Bud im Colorado River.
Abends saßen wir in der sengenden Hitze des Buckskin SP am Grillfeuer und brieten uns ein paar fette Burger, als plötzlich mein Handy surrte.
Pushnachricht von AT&T!
"Der nationale Wetterdienst warnt vor "Sandstorm" in unserem Aufenthaltsgebiet."
Dini und ich guckten uns mit großen Fragezeichen in den Augen an. Was hatte das nun zu bedeuten? Und tatsächlich. Wenige Minuten nachdem die Nachricht eingegangen war, frischte der Wind auf. Er wurde heftiger und heftiger und es war auch schon die erste Brise Sand dabei. Schnell deckten wir den Picknicktable ab und verzogen uns ins Innere des Wohnmobils. Der Starkwind entwickelte sich wirklich zu einem kleinen Sandsturm. Im Innenraum des Wohnmobils hörte es sich an, als würde man unter einem riesigen Sandstrahler stehen und ich machte mir tatsächlich etwas Sorgen um den Zustand der Lackierung unseres Campers.
Der Sturm hielt den ganzen Abend an und legte sich erst irgendwann in der Nacht, als wir schon längst schliefen.
Am nächsten Morgen war der ganze Spuk vorbei.
Hallo Kai,
schön das Ihr doch noch einigermaßen Wetter für Fotos am Rim hattet.So unterschiedlich ist aber das "Verkehrsaufkommen" am Rim. Wie wir das erste mal dort waren gab es nur ganz wenige Besucher, es war richtig toll.
Den Buckskin SP Campground haben wir auch 2 Tage genossen mit treiben lassen im Colorado aber auch mit dem üblichen Lärmpegel der Schnellboote, denn es war an einem Wochenende.
Liebe Grüße Peter
Hallo Peter,
das mit dem Lärmpegel am Buckskin stimmt. Als Entschädigung für den Motorenlärm gibt es wenigstens immer was zu sehen. Diese "Hot Rods" für`s Wasser waren teilweise echt sehens- aber leider auch sehr "hörenswert".
Wir waren nur eine Nacht hier. Für diesen kurzen Zwischenstopp war es ganz gut. Und schön leer war es. Vor allem im Vergleich zum überfüllten South Rim. Aber ich denke, dass man am South Rim mitten in den Sommerferien auch nichts anderes erwarten kann. Und die Aussicht dort ist ja wirklich grandios.
Herzliche Grüße Kai
Hallo Kai,
mit Deiner persönlichen Einschätzung zu Seligman bist Du nicht allein
, ich hatte in meinem RB (zu 2012) auch ein nicht gerade positives Urteil abgegeben:
Liebe Grüße
Uli
Scout Womo-Abenteuer.de
Hallo Uli,
ich könnte mir vorstellen, dass es vielen so geht. Deine Beschreibung trifft es sehr gut. Diesen armen Orten hat man ja durch den Bau der Interstate tatsächlich "das Wasser abgegraben" und nun müssen sie verzweifelt versuchen, sich mit Souvenierverkäufen über Wasser zu halten. Für die Leute dort ist das natürlich dramatisch. Die können einem schon leid tun. Andererseits könnte man den Ort und die Shops auch ansprechender und vor allem authentischer gestalten.
Herzliche Grüße Kai