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Tag 6: Dienstag, 23.September 2014 – National 9/11 Memorial und High Line: Licht und Schatten liegen so nah beieinander

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Nina
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Tag 6: Dienstag, 23.September 2014 – National 9/11 Memorial und High Line: Licht und Schatten liegen so nah beieinander
Eckdaten zum Reiseabschnitt
Fazit: 
In New York lässt sich gut Biken

Heute früh gehen wir wieder in „unserem“ Europa-Café frühstücken. Das Wetter sieht mal wieder vielversprechend aus – strahlend blauer Himmel.

Für 10 Uhr haben wir Karten für das relativ neue 9/11 Memorial Museum – der Tag wird also eher nachdenklich beginnen.

Wir sind dank Express-Line früh dran, so dass wir noch in aller Ruhe das Gelände erkunden können.

Wo sich auch heute noch ein gigantischer Bauplatz erstreckt, standen bis zum 11.September 2001 die Hochhaustürme des World Trade Center: die höchsten Gebäude New Yorks und mit ihren fünf Nebengebäuden das Symbol der amerikanischen Finanzwelt.

Das 1 WTC – eigentlich sollte es mal Freedom Tower heissen - hat die endgültige Höhe von 417 Meter (mit Antenne 541 Meter oder symbolträchtige 1776 feet – als Erinnerung an die Verabschiedung der Unabhänigkeitserklärung im Jahr 1776) bereits erreicht und damit das Empire State Building als New Yorks höchster Bau überholt – auf 415 Meter Höhe befindet sich dann eine Aussichtsplattform. Die Eröffnung ist für November 2014 geplant.

Bereits im September 2011 wurde das National 9/11 Memorial eröffnet, eine Gedenkstätte an die Opfer des Anschlags. Sie besteht aus zwei Becken auf den Grundflächen der beiden zerstörten Twin Towers. Von ihrem Rand ergiesst sich ununterbrochen Wasser 9m hinunter in eine Vertiefung in der Mitte. Die Becken sind von Bronzeplatten umgeben, auf denen die Namen derjenigen verzeichnet sind, die bei den Anschlägen am 11.September 2001 und beim Bombenanschlag auf das World Trade Center am 26.Februar 1993 umkamen.

Der WTC Transportation Hub, der Bahnhof mit dem flügelartig zu öffnenden Dach über einer mehrstöckigen Halle und mit Tunneln als Verbindung zu den WTC Towers, zum Memorial und zum ebenfalls neu erbauten Fulton Street Transit Center soll Anfang 2015 eröffnet werden. Da ist aber noch viel zu tun.

Das National 9/11 Memorial Museum wurde erst am 21.Mai 2014 eröffnet.  Hier werden in hypermodernen unterirdischen Galerien die Terroranschläge vom 11.September 2001 und vom 26.Februar 1993 dokumentiert.
Das Äußere des Museums ähnelt einem eingestürzten Turm, das Innere weist zwei riesige Dreizacke auf, die letzten Stahlträger, die aus den Ruinen geborgen wurden.

Die Ausstellung beginnt mit einem kurzen Film, in dem unter anderem der damalige US-Präsident George W. Bush,  und der damalige Bürgermeister von New York Rudolph Giuliani auf die Ereignisse des 9. September zurückblicken. Ein ergreifender Film, der einen aber gut in die „Ausstellung“ einführt. Die Ausstellung selber ist sehr gut und anschaulich gemacht. Da bleibt kein Auge trocken.

Eine Rampe führt hinunter zu den Hauptausstellungsräumlichkeiten mit Originalwänden der Türme: hier wird die Geschichte des ursprünglichen WTC-Komplexes erzählt, es wird der Opfer gedacht und es gibt Gegenstände wie Teile der „Survivors Stairs“, der Treppen, über die sich Hunderte aus den Türmen retten konnten.

    

Hier kann man aber auch die Vorgänge des 11.September 2001 minutengenau nachvollziehen oder sehen, wie die New Yorker damit umgegangen sind, wie sie den Wiederaufbau angepackt haben und was alles getan wurde und auch noch getan wird, um dem Volk die Angst vor einem neuerlichen Anschlag zu nehmen.

Und diese Angst merkt man nicht nur an den vielen Polzisten, die an jeder Strassenecke stehen oder den Sicherheitskontrollen, wenn man in ein Museum oder ein „wichtiges“ Gebäude geht. Die steckt auch noch in den Menschen drin: Wir waren in einer Subway, die nicht weitergefahren ist, es hat nach Diesel gerochen und eine Sicherheitskraft ist gekommen, um danach zu schauen. Und jede Menge Fahrgäste haben daraufhin fluchtartig – ja fast schon panisch - nicht nur die Subway sondern den ganzen Bahnhof verlassen.

Dann sind wir auch froh, wieder im Freien, in der Sonne zu sein.

Und natürlich haben wir schon wieder Hunger. Doch das ist hier überhaupt kein Problem. Wir entscheiden uns für Sushi. Damit setzen wir uns in den nahen Zuccotti-Park. Und obwohl die Sonne scheint und es eigentlich warm ist, frieren wir. Hier sind die Hochhäuser so hoch und die Abstände zwischen den Häusern so gering, dass die Sonne keine Chance hat.

So gestärkt kann es weitergehen: Wir laufen über den alten Friedhof der Trinity Church – hier hätte man schön in der Sonne sitzen können - eine wahre Oase inmitten der hektischen Wall Street.

Und biegen dann in die Wall Street ab. Hier befindet sich die New York Stock Exchange, die größte und bedeutendste Börse in den Vereinigten Staaten.

Und ein paar Schritte weiter die Federal Hall, ein schönes klassizistisches Bauwerk. Das Gebäude selbst, bewacht durch die riesige Statue von George Washington, steht an der Stelle des früheren Rathauses, wo einst der erste US-Kongress tagte und Washington am 30.Apruil 1789 seinen Amtseid als erster Präsident der Vereinigten Staaten leistete.

Seit dem 11.September 2001 ist das Areal um die Börse für den Verkehr geschlossen und auch Fußgänger kommen wegen Polizeisperren nicht mehr nah an den Komplex heran. Uns ist es hier zu voll und es ist auch kalt und schattig, hier dringt kaum ein Sonnenstrahl durch.

  

Hansi möchte noch den „Bullen“ sehen, also laufen wir in Richtung Bowling Green. Doch was für eine Enttäuschung: auch der Bulle ist eingezäunt.

  

Und dann entdecken wir City Bikes: Sollen wir nochmals Biken? Wir könnten einfach mal am Ufer des Hudson River entlang fahren…. Gesagt getan.

Der Battery Park, den wir ja schon kennen, ist gleich um die Ecke. Doch dann geht es immer weiter, immer am Hudson River entlang. Unterwegs wechseln wir schnell nochmals die Bikes, damit keine unnötigen Gebühren anfallen. Zwischen dem Fluss und der Hauptverkehrsstrasse 11th Avenue befindet sich ein schmaler Grünstreifen rund um die ehemaligen Piers mit Bikespur, Spiel- und Sportplätzen, einer Fussgänngerpromenade, Anlegeplätzen für Boote, Bänke und Grünflächen, um die Sonne zu geniessen und den Möwen zuzuschauen und ein paar nette Biergärten und Restaurants. Toll gemacht.

Wir werden von einem richtigen Biker angesprochen, der uns dann ganz begeistert davon erzählt, wie weit  man am Hudson entlang fahren kann und dass es besonders abends ganz toll wäre hier. Nein, Angst muss man schon lange nicht mehr haben in New York und schon gar nicht hier, weil ja überall Sicherheitskräfte stehen. Wir könnten jetzt einfach bis zur Höhe des Central Parks weiterradeln oder aber hier unsere Bikes zurückgeben und den High Line Park besichtigen. Au ja, das machen wir. Danke für den Tipp.

Wir sind nun im Meatpacking District und fühlen uns als wäre hier die Zeit stehengeblieben – sind wir hier wirklich in New York?

  

Doch bevor wir uns auf den Weg zum High Line Park machen, gehen wir noch in den Chelsea Market, eine 250 m lange Einkaufshalle für Gourmets, die in einer ehemaligen Keksfabrik (Oreo) untergebracht ist.

Von hier gibt es auch einen Zugang zur High Line. Die High Line war ursprünglich eine Hochbahnlinie für Güterzüge in New York, die bis 1980 betrieben wurde. Nach ihrer Sillegung geriet sie in Vergessenheit und verwilderte.

Pläne, sie abzureißen stiessen auf Widerstand und 1999 gründete sich eine Bürgerinitiative. Das Ergebnis ist eine in 9m Höhe verlaufende, mit Rasen, Wildblumen und dichtem Buschwerk bepflanzte und mit Bänken und Liegestühlen möblierte, überirdische Promenade, die sich quer durch Chelseas Galerieviertel erstreckt. Die High Line verbindet den Meatpacking District in West Chelsea und Clinton/Hell´s Kitchen.

Seit ein paar Wochen ist auch das letzte Stück, das als riesieges „U“ durch die West Side Rail Yards geht, geöffnet.

Wir schlendern die Promenade entlang, schauen hier, geniessen dort die Aussicht und kommen kurz nach 18 Uhr am bisherigen Ende der Promenade an und freuen uns schon auf das letzte Stück, weil wir uns einen tollen Blick auf die Gleisanlagen und auf den Hudson-River versprechen. Aber: Dieser Teil des Parks wird im Moment noch um 18 Uhr geschlossen. Oh, ist das schade. Hätten wir mal nicht so getrödelt. Aber wir haben den Spaziergang trotzdem genossen.

Wir kommen wir jetzt aber weiter? Diese Gegend ist mit der Subway schlecht – man könnte auch sagen gar nicht – erschlossen. Wir könnten aber mit dem Bus fahren, der 11er fährt hoch bis zur 57th street und die Metro-Karte gilt ja auch für die Busse. Es ist zwar rushhour, aber immer noch besser wie laufen. Also ab zur nächsten Haltestelle.

Es gibt hier zwar einen Fahrplan, doch den hätte man sich auch sparen können. Ein älterer Herr erklärt uns dann ganz stolz,  wie das hier funktioniert: Mit einer App wird der Barcode an der Haltestelleninfo gescannt (das geht mit jeder Barcode-App – zumindest hat das mit Hansi´s App funktioniert) und dann sieht man, wie viele Haltestellen der Bus noch entfernt ist. Tricky. Und wieder Dankeschön!

Wir fahren die paar Blocks bis zur 57th und dort hätten wir in den 31er umsteigen müssen. Ich habe aber aus den Augenwinkeln einen Thai/Vietnamesen entdeckt. Ja, wir haben schon wieder Hunger. Lass uns den mal anschauen. Wir stehen etwas unschlüssig vor der Speisekarte herum, doch dann zeigt uns ein Gast“, den hochgetreckten Daumen und wir "wagen" es. Und wir bereuen es nicht - Glück gehabt. Das Curry ist einfach super lecker. Hauptsächlich lebt der Laden vom Lieferservice – und wen die eher einfach Ausstattung nicht stört, der kann hier wirklich gut und recht preiswert essen.( Thailand Restaurant, 856 West 10th Avenue). Eigentlich wollten wir die 3 Blöcke bis zum Hotel noch Laufen, doch da kommt gerade richtig der 31er angefahren – das ist unserer, nichts wir rein.

Ja und dann gibt es im Hotel noch ein Absackerbierchen und wir fallen mal wieder glücklich und hundemüde ins Bett. Was für ein Tag.

Bleibt  gesund smiley

Nina

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Trakki
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Beigetreten: 24.11.2011 - 17:05
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RE: Tag 6: Dienstag, 23.September 2014 – National 9/11 Memorial

Oh Nina,

wieder so ein schöner Tag. Ich lese deinen Bericht ganz fasziniert mit. Er ist super gut geschrieben und läd einfach zum nachahmen ein. Ich könnte sofort los................

Herzliche Grüße

Sonja
 

Trakki.Reisen

Nina
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Beigetreten: 20.01.2013 - 14:31
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RE: Tag 6: Dienstag, 23.September 2014 – National 9/11 Memorial

Hallo Sonja,

es freut ich, dass Dir unser Bericht gefällt. Wir haben uns ja auch sehr wohl gefühlt in New York, obwohl wir am Anfang mehr wie skeptisch waren, ob uns so eine grosse Stadt überhaupt gefallen wird.

Wir haben gerne ein Rätsel daraus gemacht, wo wir hinfahren: Wir lieben die Natur, gehen gerne wandern und biken und meiden grosse Städte. Wo gehen wir hin? smiley Aber wir man sieht, hat es durchaus schöne Parks in New York und man kann dort biken....

 

Bleibt  gesund :-)

Nina

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Bernhard
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RE: Tag 6: Dienstag, 23.September 2014 – National 9/11 Memorial

Hi Nina,

ihr habt das Wetter, das wir gerne gehabt hätten: das Biken ist wirklich eine gute Idee, um in dieser großen Stadt ein Stück Wegs zu schaffen.

Und wie schon in den letzten Tagen: es geschieht was und wird immer wieder etwas eröffnet: z.B. das 09/11 Museum 

Grüße

Bernhard

Scout Womo-Abenteuer.de


Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)