Der Crypt Lake Hike ist ein besonderer Hike in Waterton Lakes, denn man kann nur mit dem Boot dorthin. Jetzt, im Frühjahr fährt pro Tag nur ein Boot hin und eins zurück. Einer von den Superhikes, die manchmal so auf Best Hikes-Listen auftauchen, zum Beispiel auf einer vom National Geographic -da sind sie sehr stolz drauf. Der Hike ist anspruchsvoll, es geht die ganze Zeit bergauf; aber wirklich berühmt ist der Hike für einige kurz vor dem See zu überwindende Obstacles.
Wir stehen zeitig auf und machen unsere Rucksäcke fertig, wir wollen unbedingt rechtzeitig am Hafen sein, denn wir haben ja noch keine Tickets. Zum Hafen läuft man vom Townsite CG zu Fuß, das ist nichtmal ein Kilometer.
Wir sind 45 Minuten vor der Abfahrt da, der Ticketverkauf hat noch nicht begonnen, es kommen aber nach und nach einige Leute, und es füllt sich schnell. Ich bin froh, als wir die Tickets haben! Wir kommen ins Gespräch mit einem Lehrer aus Saskatchewan, der mit einer Gruppe 15jähriger da ist. Das ist eine freiwillige Outdoorsport-AG, wenn sie nicht Superhikes machen, fahren sie z B Whitewater Kayak, machen Bearspray-Training und natürlich alle Varianten von Wintersport. Wow, Jugend in Kanada, wir sind sehr beeindruckt!
Während der Bootstour erzählt der Bootsmann schonmal von dem Hike und von dem Gebiet, das bringt uns schonmal in echte backcountry-Stimmung. Natürlich ist das auch Bearcountry, das wird mit dem gebotenen Respekt, aber nicht reißerisch kommuniziert. Theoretisch kommt man über diesen Trail zu Fuß in die USA. Es fährt nur das eine Boot hin und eins zurück um 17.30 Uhr, und sie warten auf niemanden, also geben sie die klare Ansage, um 13.30 Uhr, egal wo man ist umzukehren, damit man es noch rechtzeitig zum Boot schafft. Es gibt auch keinen Campground (mehr) dort, scheinbar gab es mal einen.
Sehr wahrscheinlich sind also die Leute, die jetzt auf diesem Boot sind, die einzigen, die heute dort unterwegs sein werden. Das fühlt sich wieder so exklusiv an wie beim Lake o‘Hara, da gab es auch so einen Pep-Talk im Bus! Es ist ein Privileg, so komfortabel ins Backcountry zu kommen, und natürlich werden alle Leave no trace-Regeln hier nochmal ganz besonders betont. Alle sind aufgeregt und in guter Stimmung! Und als wir von Bord gehen, gehen alle im Gänsemarsch den gleichen Trampelpfad lang, und zwar in etwas höherem Tempo, als wir das normalerweise gemacht hätten😬. Angezogen vom Gruppentempo (und auch mit ein bisschen Gruppendruck) machen wir also in der ersten Stunde ordentlich Strecke, und man muss zugeben, dass wir ohne die Start-Powerstunde vermutlich nie in der vorgegebenen Zeit so weit gekommen wären, wie wir sind, insofern war das gut.
Aber dann machen Nick und ich erstmal Pause beim ersten Wasserfall -und ab dann verläuft es sich, und erst in unserem eigenen Tempo macht es dann auch richtig Spaß.
Die Gruppe ist aber ganz witzig und eigentlich traut uns niemand zu, dass wir es wirklich bis zu den Hindernissen schaffen. Wir selber uns auch nicht wirklich 😂
Es wäre aber sogar auch ein schöner Hike gewesen, wenn wir nicht so weit gekommen wären. Die Obstacles liegen hinter den sieben Bergen, bei den sieben … nee, aber ich meine es sind tatsächlich vier Berghügel, über die wir uns so nach und nach kämpfen. Auf der ersten erklommenen Anhöhe hat man schon einen guten Ausblick auf das heutige Tagesprogramm: wir wollen tatsächlich ans andere Ende dieses Tals. Und das über einen schön abwechslungsreichen Weg.
Man passiert Wasserfälle und die Blicke ins Tal zurück sind wirklich toll.
Da eigentlich alle viel schneller hiken als wir, sind wir ziemlich alleine unterwegs, an diesem wunderschönen Tag, bei bestem Wetter, sonnig, aber nicht heiß; das ist klasse, denn es ist wirklich ein anstrengender bergauf-Weg.
Es dauert wirklich lang, bis wir bemerken, dass wir schon länger auf die Crypt raufgucken! Links neben dem Wasserfall schmiegt sie sich unsichtbar an die Wand, whohoo, wir schaffen es bis zu den Obstacles!
Der Ausblick von hier ins Valley ist auch richtig toll, das wäre als Viewpoint auch schon ein guter Hikehöhepunkt.
Es gibt auch einen Hiker vor der Crypt, und ein Hikerpaar danach, die auf die (weitere) Hindernisbezwingung verzichten. Bis zu der Crypt ist das ein zwar wegen der Höhenmeter anstrengender, aber nicht technisch schwerer Hike. Ab der Crypt ist der Hike aber tatsächlich schwer und auch gefährlich, das sind ausgesetzte Stellen, die läuft man ohne Sicherung. Natürlich kann man diesen letzten Teil auch einfach weglassen! Dann hat man immer noch einen coolen Hike gemacht und einen tollen Tag im Backcountry verbracht.
Aber wir wollen den Abenteuer-Teil machen. Und wie schon oft auf nordamerikanischen Hikes bin ich absolut begeistert, wie nett, motivierend, unterstützend und rücksichtsvoll die anderen Hiker sind, da wird nicht gedrängelt, wenn klar ist, dass jemand am Rande oder außerhalb seiner Comfort Zone unterwegs ist, da werden Hände gereicht und moderiert, wo es sicher ist, hinzutreten; das ist klasse.
Also, die Obstacles: zunächst die Leiter. Die Leiter war ein bisschen zu kurz, das hat das Ganze unnötig schwer gemacht (da lag aber bereits eine frisch vom Helikopter hergeflogene neue Leiter auf dem Trail, so dass man das zukünftig wahrscheinlich anders vorfindet…). Und dann ab durch die Crypt!
Und dann sieht der Blick raus und dann ins Valley so aus:
Letzter Abenteuer-Teil: die Rope-Section
Und tja, es klingt vielleicht ein bisschen schräg, aber als Nick von oben zurückmeldet, dass man nicht direkt sofort den See sehen kann, da sind wir an dieser Stelle umgekehrt. Uns fehlten wahrscheinlich nur 100 m oder so, aber wir wussten nicht, wie weit es noch ist und unsere Zeit war um. Uns beiden war klar, dass ich für die Rope-Section runter deutlich länger brauchen werde als rauf, und das war auch so. Aber alle waren sehr nett und unterstützend, obwohl ich natürlich ein Stauanfang war 😬.
Es ist ein There and back-Hike, also gehen wir den gleichen Weg zurück, und obwohl wir jetzt im Wesentlichen bergab gehen, ist es anstrengend und wir werden von allen überholt, obwohl eigentlich alle nach uns, und zum Teil deutlich später als wir, oben losgegangen sind.
Pausen trauen wir uns auch nicht so richtig zu machen, wegen der Zeit, und wir kommen als Vorletzte unten an, aber noch 15 Minuten vor dem Boot. Für alle Fälle hatten wir aber auch unterwegs jemanden gebeten, darauf zu achten, ob wir da sind und ggf darum zu bitten, auf uns zu warten, war aber ja nicht notwendig.
Unten sind alle happy mit dem Superhike, das ist nochmal ein kleiner Euphorie-Nachschlag, und wir sehen auch noch Fotos vom See, aber so schlimm finden wir das jetzt nicht, dass wir den nicht mehr geschafft haben, wir haben schon so ähnliche Seen gesehen. Deutlich beeindruckender ist, dass Leute auch unweit von uns entfernt einen Bären gesehen haben, der auch einfach bilderbuchmäßig friedlich sein Bärending gemacht hat -sind wir wohl wieder einfach dran vorbeigelaufen 🙈.
Das Boot kommt, beim Einsteigen wird gezählt und wir sind ein Hiker weniger als morgens, das stellen sie fest und fahren trotzdem ungerührt los, wow, zum Glück waren wir rechtzeitig zurück.
Wir schleppen uns vom Hafen zum hippen Wieners Imbiss und essen richtig gute Pommes und Hot Dogs und machen dann auch noch die letzten 700 Meter zum Campground.
Wow, what a day! This Hike puts Waterton on the map. Wir sind heute 20 km über endlose Höhenmeter gelaufen, das war eigentlich über unserer Liga, und wir sind sehr stolz auf uns! Schade, dass wir kein Lagerfeuer haben, aber das hochverdiente Bier schmeckt trotzdem.
Schöne Grüße, Janina.
Hi Janina,
ein absoluter Traum Hike :-)
Den haben wir dieses Jahr auch gemacht und das war eins der Top-Erlebnisse auf der Tour. Tatsächlich ist es nach dem Seil-versicherten Teil nicht mehr weit zum Lake - der zwar schön ist, aber auch nicht anders als andere schöne Seen. Der Weg ist ja das tolle und den habt ihr ja auch sehr weit gemacht :-) Als wir da waren fuhren schon zwei Boote retour, wir haben das erste erwischt und den Abend im Lakeside Chophouse ausklingen lassen - sehr lecker dort! Den Wieners hab ich am nächsten Tage auch getestet, sehr lecker!!
Cheers
Jonny
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Reisen ist das Entdecken, das alle Unrecht haben mit dem was Sie über andere Länder denken.
Hallo Janina,
was für ein Tag! Toll dass Ih4 das geschafft habt - ich verstehe jetzt aber nicht mehr deine Angst vor der „Brücke“ über den Bach. Diesen Weg fände ich viiiiel schlimmer! Aber Hut ab! Und für die richtige Entscheidung umzudrehen. War ja schon knapp!
Viele Grüße
Vera
https://www.womo-abenteuer.de/reiseberichte/vera
Reiseberichte SW 2015 + NW 2023
Liebe Vera,
ich verstehe mich auch nicht immer 😬😂
Die nicht-Brücke war einfach das Unwohlseins-i-Tüpfelchen an einem verfrorenen Tag, das Holz kam mir rutschig vor, ich hatte wirklich Sorge mit eiskalten klitschnassen Füßen und Klamotten den Berg wieder runter zu müssen. Wir hatten wirklich Angst vor Unterkühlung. Vielleicht fehlte auch die seelische Vorbereitung oder das Adrenalin.
Ich mag solche Wege über ausgesetzte Stellen eigentlich gerne, aber rutschige Planken sind offenbar meine Schwachstelle. 😬
Ja, das Umkehren war genau richtig, das wäre sonst stressig geworden, und das macht dann keinen Spaß.
Liebe Grüße, Janina.
Hi Jan,
oh wie toll, dass ihr den auch gemacht habt! Wir fanden den auch so toll, echt ein Highlight.
Offenbar seid ihr schneller unterwegs als wir 😬, sehr cool, mal wieder freue ich mich auf die Fortsetzung deines Berichts!
Ich fand das jetzt nicht so schlimm, den See zu verpassen, unser eigentliches Ziel waren die Obstacles, und ich bin sehr stolz auf uns, dass wir die geschafft haben. Aber ich bin dann mal sehr gespannt auf deine Fotos vom See!
Liebe Grüße, Janina.
Hi Janina
Wow Janina, gratuliere dass ihr das geschafft habt....toller Hike.
Tia Du hast mich ja schon gewarnt, dass der Waterton schon seinen Reiz hat - trotz des vielleicht nicht so NP-typischen Campgrounds
Der Hike ist schon toll und genau nach unserem Geschmack und steht auch auf unserer Wunschliste. Trotzdem wird der Waterton wohl seinen Lückenfüllerplatz bei uns behalten...wobei die Chancen, dass er diese Lücke im Endeffekt tatsächlich schliessen muss stehen ja vermutlich eher gut...den sowohl Lake o'Hara als auch Mount Assiniboine sind reine Glückssache und wenn keines davon klappt, dann werden wir den Waterton besuchen und dann sicher versuchen den Crypt Lake Hike zu machen.
Liebe Grüsse
AnnSchi
TRAVELING, it leaves you speechless, then turns you into a STORYTELLER.
Hallo AnnSchi,
das sind ja alles sehr attraktive Optionen, das wird in jedem Fall also toll.
Liebe Grüße, Janina.
Hallo Janina,
was für ein Hike, toll das ihr so weit gekommen sei, wir hätten das nie und nimmer geschafft uns hätte das Boot auch sitzen gelassen. Wir hätten das am nächsten Tag wahrscheinlich auch verpasst. Unser Respekt sei Euch gewiss.
Liebe Grüße Jasmin
Liebe Jasmin,
-😂😂! Sympathisch! 😂
Den Hike kann ja jeder machen, gegebenenfalls kommt man eben nicht so weit. Ich bin eigentlich gar nicht sportlich, aber in diesem Fall habe ich von einem durch einen langen Urlaub verbesserten Fitnessstatus und einem förderlichen Maß an Selbstüberschätzung profitiert 😎.
Liebe Grüße, Janina.