Tag 21 – Geschichtsunterricht in der Hauptstadt Alabamas: Montgomery
Datum: 09.04.2018
Gefahrene Meilen: 115mls
Unterkunft: Privat in Auburn
Heute steht ein bisschen Geschichtsunterricht auf dem Plan. Falls hier Streber anwesend sind, in der ersten Reihe ist noch Platz
Von Auburn sind es ca. 60min Fahrt nach Montgomery. Unser Ziel war das Visitor Center, wo man mit ausreichend Material für eine Erkundung der Stadt versorgt wird. Parken kann man günstig hier und das Parkhaus müsste auch ausreichend hoch für Wohnmobile sein. Im Visitor Center bekommt man eine kleine Karte mit den Wegpunkten des Civil Heritage Trails, auf dem man an allen wichtigen Gebäuden und Schauplätzen vorbeigeführt wird.
Montgomery ist die Hauptstadt von Alabama und liegt am Alabama River. Fluss und Staat sind beide nach dem Indianerstamm „Alabama“, der in dieser Gegend heimisch war, benannt.
Zu seinen Hochzeiten war Montgomery ein wichtiger Umschlagplatz von Baumwolle, heute erinnert daran bspw. der Dampfer Harriott II. Viel interessanter ist aber die politische und gesellschaftliche Geschichte der Stadt, denn Montgomery stand bereits zweimal im Fokus der amerikanischen Geschichte.
Im Sezessionskrieg von 1861 bis 1865 – dem amerikanischen Bürgerkrieg zwischen den Nordstaaten (=Union) und den Südstaaten (=Konföderierte Staaten von Amerika) – war Montgomery die erste Hauptstadt der Konföderierten Staaten von Amerika. Jefferson Davis wurde im Kapitol zum ersten und einzigen Präsident der Südstaaten gewählt und vereidigt. Entsprechend befindet sich auch das erste Weiße Haus der Südstaaten in Montgomery. Während Montgomery im 19. Jahrhundert Schauplatz eines Machtkampfs zum Erhalt der Sklaverei und Rassentrennung war, stand Montgomery in der Mitte des 20. Jahrhunderts wieder im Mittelpunkt der amerikanischen Geschichte. Dieses Mal jedoch als Ausgangspunkt der schwarzen Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King und Rosa Parks. Letztere weigerte sich im Busboykott von Montgomery für einen Weißen aufzustehen und brachte so den Stein ins Rollen. Teil der Bewegung war auch Martin Luther King, der von 1954 bis 1960 in Montgomery seine erste Stelle als Pastor antrat.
Sogesehen haben hier zwei der größten Konflikte der amerikanischen Geschichte ihren Ursprung, der Sezessionskrieg zum Erhalt der Sklaverei wurde hier entscheidend vorangetrieben und im 20. Jahrhundert ist Montgomery ironischerweise der Ausgangspunkt der schwarzen Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King. An beide Epochen erinnern viele Gebäude und Wegmarken im Zentrum der Stadt.
Visitor Center und Riverboat Harriott II
Kapitol des Staates Alabama
Im Inneren des Kapitols
Das erste Weiße Haus der Konföderierten Staaten von Amerika
Alles in allem herrscht in Montgomery eine komische Stimmung. Unter der Woche haben die meisten Läden (inkl. der Fast-Food-Ketten) bereits gegen 16Uhr geschlossen, in der Innenstadt herrschte ein gefühlter Leerstand von 60% und auf der Straße und in den historischen Gebäuden waren außer den Mitarbeitern fast keine Menschen unterwegs. Eine Stadt, die wahrlich von ihrer Geschichte lebt und in der Gegenwart augenscheinlich den Strukturwandel verpasst hat. Das hindert die Mitarbeiter aber nicht daran, stolz von der Geschichte ihrer Stadt zu erzählen. So wurden wir im Kapitol und im Weißen Haus von den zuständigen Mitarbeitern bis in kleinste Detail über die Geschichte dieser Stadt aufgeklärt und haben so viel über Land und Leute erfahren. Außer Tip kostet keines der Gebäude Eintritt und die meistens sind auch wirklich schön hergerichtet.
Wer auf der Suche nach etwas Geschichte ist und etwas über Land und Leute erfahren möchte, kann hier auf jeden Fall einen Stopp einlegen. Wer aber nur auf der Suche nach Großstadt-Flair, Shoppen und Bummeln ist, sollte lieber an der Highway-Ausfahrt vorbeifahren.
Und hier noch nähere Informationen zum Civil Heritage Trail und den wichtigsten Wegpunkten:
Hallo Jan,
als Streber würde mich jetzt nicht sehen, aber als an amerikanischer Geschichte Interessierte schon, und so setze ich mich mal in die erste Reihe. Dass es einen eigenen Präsidenten der Südstaaten gab, war mir (noch) nicht bekannt, aber die mit Rosa Parks und Martin Luther King verbundenen Ereignisse schon. Eigentlich nicht so verwunderlich, dass sowohl die Rassentrennung als auch der Widerstand dagegen in der gleichen Stadt stattfand. Für mich hat Alabama viel mit Musik, besonders dem Blues zu tun, der ja auch die Musik der Schwarzen war (ist).
Danke, dass du die geschichtlichen Ereignisse in Montgomery so anschaulich beschrieben hast. Und schade, dass die Stadt heute - vermutlich wegen Armut und Abwanderung - so "verlassen" wirkt und im wesentlichen von ihrer Geschichte lebt.
Viele Grüsse, Irma
2012 Südwesten 2015 Yellowstone/Badlands/RMNP Herbstfahrer's Reiseberichte
Hallo Irma,
freut mich, dass du uns die ganze Reise über begleitet hast!
Alabama schuftet bei uns Europäern gefühlt ein Nischendasein hinsichtlich amerikanischer Geschichte, dabei war Alabama oftmals Schauplatz bedeutender Ereignisse. Das war uns vor diesem Urlaub so aber auch noch nicht bewusst. Solche Orte wie Montgomery lassen einen auch ein bisschen besser verstehen, woher die Mentalität der Südstaatler kommt.
Gruß, Jan
Südwesten 2017 - Florida 2018
Hallo Jan,
interessanter Tag mit dem Ausflug in die Geschichte Amerikas. Danke, wieder was gelernt bzw. so im Detail noch nicht gewusst.
Viele Grüße
Lothar