Wetter: sonnig, leicht bewölkt, 19°C
Nach dem Frühstück (Cinnamon Rolls!) fahren wir gleich los Richtung Kings Canyon. Es geht bald bergauf, und wir geniessen es, endlich mal wieder in einem Wald zu sein: überall grün, und es duftet wunderbar. Die Sonne lacht vom blauen Himmel, und wir sind froh, dass wir umdisponiert haben und nicht im Regen im Yosemite sitzen. Die lange Fahrt gestern hat sich gelohnt!
Wir fahren direkt zum first come – first served Azalea Campground, wo es noch viel Platz hat. Er ist wunderschön gelegen, alle Stellplätze zwischen Bäumen und mit einer Bärenbox ausgestattet. Wir haben zu viel Auswahl, drehen erst eine Runde und stellen uns dann auf den Platz Nr. 75, wir ändern nochmals unsere Meinung und reservieren den Platz 62 für uns.
Anschliessend laufen wir direkt vom Campground bis zum General Grant Tree, der Nummer 3 der grössten Mammutbäume weltweit. Wir sehen einige Sequoias auf diesem Trail und sind beeindruckt vom Ausmass dieser Giganten.
Zurück beim Campground stellen wir fest, dass sich bereits jemand anderes auf dem Stellplatz Nr. 62 installiert hat, obwohl wir unseren registration Zettel drangehängt hatten. Aber auf unserem Weg haben wir noch ein paar andere, noch schönere Plätze gesehen und wechseln nun zum dritten und letzten Mal auf die Nummer 42. Hier haben wir unsere Ruhe: kein Durchgangsverkehr, keine Klos oder Gruppen nebenan. Wir essen auf unserem Platz draussen zu Mittag (Brot, Salat und Chips) und sehen immer wieder Eichhörnchen in den Bäumen klettern. Beim Balancieren auf einem am Boden liegenden Stamm fällt meiner Tochter ein riesiger, spitzer Tannenzapfen aus höchster Höhe mit einem lauten Tock direkt auf den Kopf – das tut weh!
Wir fahren eine knappe Stunde weiter bis in den Sequoia National Park. Unterwegs begegnen wir den firefighters, die hier die weit verbreiteten Schwelbrände unter Kontrolle halten. Man hat erst seit kurzem herausgefunden, dass diese wichtig sind für die Erhaltung und Vermehrung der Sequoia Bäume, sodass man sie nicht mehr löscht, sondern nur noch soweit kontrolliert, dass niemand in Gefahr gerät.
Wir laufen zum General Sherman Tree, dem gewaltigsten aller Mammutbäume (nicht Durchmesser oder Höhe, sondern Masse). Hier sind ziemlich viele Leute (kaum noch Asiaten), um Fotos von sich und dem Baum zu machen, der für mich von hier unten nicht anders aussieht als die vielen anderen gigantischen Sequoias in diesem Wald. Auf dem Trail kommen wir an einigen umgefallenen Stämmen vorbei, in die wir hineingehen können – es ist alles beeindruckend imposant. Mir wird bewusst, wie klein wir sind…
Anschliessend laufen wir gute 3km auf dem Congress Trail, wo wir eher wenig Leute antreffen. Viele Mammutbäume sind von den Schwelbränden angekokelt. Einige haben Öffnungen in ihrem Stamm, in die man hineingehen kann. Immer wieder sehen wir Eichhörnchen. Unterwegs halten wir Ausschau nach den hier verbreiteten Bären und Berglöwen, werden aber enttäuscht (ist wohl auch besser so). In der Broschüre steht, falls man einem Mountain Lion begegne, solle man sich möglichst gross gebaren und ihn mit Lärm verscheuchen. Und falls er angreife: «fight back»!
Auf der Rückfahrt dunkelt es langsam ein, wir riechen die Schwelbrände, Nebel kommt auf. Wir grillen, essen aber drinnen, weil es schon dunkel ist. Danach setzen wir uns ums wärmende Lagerfeuer.
In der Nacht regnet es, die Natur hat es dringend nötig.
Azalea Campground