Heute steht die Fahrt nach Page auf dem Programm. Erstmalig geht es durch ein Indianerreservat, nämlich das der Navajos. Wie viele Fantasien aus meiner Kindheit verbinde ich doch mit Indianern, wie habe ich die Bücher von Karl May verschlungen, wie gern habe ich gemeinsam mit meinem Vater die Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker gesehen, die wunderschöne Filmmusik klingt mir noch immer in den Ohren. Ich erinnere mich auch noch an meinen Pastor, der uns im Konfirmandenunterricht in einem Diavortrag von seiner Reise in die USA und zu den Indianern erzählt hat. Er war einer der wenigen, der zu DDR-Zeiten nach Amerika fahren durfte.
Frühstück auf dem Desert View Campground
Wenn man den Grand Canyon verlässt, fährt man eine Weile auf der 64 am Little Colorado River entlang. Auch dieser Nebenfluss des Colorado hat sich in einem kleinen Canyon in die Landschaft hineingefressen.
Canyon des Little Colorado River entlang der 64
Erste Station war Cameron. Hier haben wir getankt und im Supermarkt eingekauft. Cameron scheint einer der Hauptorte der Navajos zu sein, jedenfalls sah ich nur Indianer. Ehrlich gesagt war ich von meiner ersten Begegnung mit den Navajos erschüttert. Sie lungerten an der Tankstelle rum, die Männer kauften an der Tankstelle und im Supermarkt viel hochprozentigen Alkohol, sowohl Männer als auch Frauen waren sehr dick, schon die Kinder hatten dicke, aufgedunsene Gesichter. Vor mir stand kein stolzes Volk, sondern Menschen, die wohl gleichgültig in den Tag hineinlebten. Dennoch schienen sie sehr optimistisch in die Zukunft zu blicken, denn der Kinderreichtum war unübersehbar. Oder ist er vielleicht eine Folge des Kindergeldes? Jede junge Frau hatte jedenfalls mehrere Kinder an der Hand. Die gleichen Eindrücke wiederholten sich im Walmart in Page, wo die Indianer einkauften und anschließend mit der Großfamilie im McDonalds oder Taco Bell essen gingen.
Indianersiedlung bei Cameron
Für uns Weiße gelten die Indianer immer als die edlen Wilden. Jeder kennt die mahnenden Worte eines Häuptlings an die weißen Eroberer: "Wenn der letzte Bauum gerodet und der letzte Fisch gefangen, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann." Die Indianer genießen in ihren Reservaten weitgehende Autonomie, doch sie wird nicht genutzt, um aufbauend auf ihren Traditionen einen Gegenentwurf zur amerikanischen Mehrheitsgesellschaft zu leben. Die Einnahmen aus Bergbau und Glüccksspiel scheinen bei der breiten Masse der Indianer nicht anzukommen. Wahrscheinlich wirtschaften die Häuptlinge und deren Sippen in die eigenen Taschen. Meine Eindrücke im Indianerland legen die These nahe, dass ohne die Eroberung des Kontinents durch den weißen Mann Nordamerika wahrscheinlich ein ebensolcher verlorener Kontinent wie Afrika wäre, wo wenige Potentaten herrschten und ihr Land ausplündern.
In Cameron gings dann auf die 89 in Richtung Page. Ich wusste, dass die 89 wegen Erdrutsch gesperrt war und ich wahrscheinlich eine Umleitung fahren musste. Unterwegs kamen große Hinweisschilder, dass die 89 tagsüber geöffnet ist. Schön, dachte ich, dann wird die Straße ja schon repariert und ich brauche keine Umleitung zu fahren. Also bleiben wir auf der 89. An der Abzweigung zur 89A Richtung Kanab kam dann die Ernüchterung - die 89 Richtung Page war immer noch gesperrt. Wir mussten also umkehren und wieder zurückfahren. Dann las ich das Hinweisschild genauer - die 89T, also die Umleitungsstrecke nach Page, war tagsüber offen. Wir fuhren also nun die 89T nach Page und waren erstaunt, wie schnell wir in Page ankamen.
Weiter gings zum Horseshoe Band. In der Ferne sahen wir schon wieder eine Gewitterfront im Anmarsch, ahnten in diesem Augenblick jedoch nicht, dass dieses Gewitter der Auftakt einer mehrtägigen Schlechtwetterperiode sein sollte.
Heranziehende Gewitterfront am Horseshoe Bend
Horseshoe Bend, die Hufeisen-Biegung des Colorado River
Über den Glen Canyon-Damm fuhren wir entlang des Lake Powell zum Wahweap Campground. Ich hätte gern am Lone Rock übernachtet, aber es war so heiß, dass wir Hook up für die Klimaanlage brauchten. Wenn ich mir vorstelle, dass die Amis am Lone Rock alle ihre Generatoren für die Klimaanlage anwerfen, dann wäre der Tag für mich gelaufen gewesen. Denn eines kann ich nicht ab - Generatorlärm auf einem sonst schönen Naturcampground.
Navajo Bridge über den Colorado River vor dem Glen Canyon-Damm
Der Glen Canyon-Damm
Blick über den Lake Powell. Hier kann man eindrucksvoll sehen, wie stark der Wasserstand schon gefallen ist. Die weißen Felsen lagen früher noch im See, heute ist der Wasserstand um ca. 40m niedriger.
Strand am Lake Powell in der Nähe der Wahweap Marina
Der Wahweap Campground ist zwar nicht ganz billig, aber sonst ein schöner Campground mit allem Comfort und schönem Blick über den Lake Powell. Wir gingen noch zum Strand, um vor dem Gewitter im Lake Powell zu schwimmen. Dann freuten wir uns auf die Dusche, denn am Desert View einen Tag vorher gab es keine Duschen.
Gewitter über dem Lake Powell
Wie erwartet zog dann das Gewitter auf, doch bei uns regnete es nicht. So konnten wir noch draußen grillen und am Lagerfeuer sitzen und die zuckenden Blitze über dem Lake Powell bewundern. Ich baute mein Stativ auf und stellte meine Kamera so ein, dass sie alle 3 sec ein Foto machte - in der Hoffnung, einen Blitz zu erhaschen. Leider wurde nichts draus. Am späten Abend fing es dann auch bei uns an zu regnen und der Regen dauerte auch die ganze Nacht hindurch an.
Hi Thorsten,
ja, Deinen Eindruck von den Indianern teile ich, auch wenn ich da jetzt nicht jeden über einen Kamm scheren will und Ihnen nicht alleine die Schuld dafür geben will. Fakt ist, dass wir uns teilweise schon etwas unwohl gefühlt haben, angesichts der Armut die uns dort teilweise begegnete. Es ist schon ein gewaltiger Kontrast von einem nahezu perfekt gemanagten Nationalpark ins "Indianerland" zu kommen.
Nichts desto trotz gibt es auch hier eindrucksvolle Naturwunder, ein paar davon hast Du ja traumhaft auf Fotos gebannt!.
LG Mike
Liebe Grüße, Mike
Experience!
Scout Womo-Abenteuer.de
Hi Torsten,
bei diesen Erinnerung kann ich auch mithalten : das war auch für mich nach dem Schmökern , z.T. unter der Bettdecke mit Taschenlampe ;-)) ganz großes (seltenes - in dieser Zeit ) Kino ! Und auch mir ging es ähnlich bei meinen Eindrücken -- auch schon 1976, als ich das erste mal "drüben" war . Ich habe da auch etwas 2 Seelen in meiner Brust: einerseits eine verschwundene alte Kultur, die sicher ihre guten Grundlagen hat --- und die Anforderungen (auch unberechtigte und falsche) einer modernen Zeit.
Wenn es die vielen Filme nicht gegeben hätte, wüssten wir so wenig davon wie von Afrika .
Und deswegen sollten wir mit unseren WoMos uns in diesem Land auch zurückhaltend und nur schauend, nie laut und provokativ verhalten -- ein bisschen dankbar, dass wir es auf diese Art sehen können.
Grüße
Bernhard
Scout Womo-Abenteuer.de
Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen (G.C. Lichtenberg)