Um 5 Uhr morgens waren wir hellwach. Das Motel hatte einen leistungsfähigen WiFi-Hotspot, so dass wir erste Telefonate nach Deutschland via Skype führen konnten. Nach dem Duschen gingen wir vor zum Hollywood Blvd. bei Starbucks frühstücken. Der Starbucks hatte die Atmosphäre einer Mitropa-Gaststätte der Deutschen Reichsbahn der 80er Jahre in der DDR - hohe Decken, kühl, dunkel und etwas schmuddelig. Als wir so saßen, fuhr draußen ein Feuerwehrauto mit Sirene vorbei, ein Polizeiauto raste heulend den Hollywood Blvd. entlang, ein Mann mit Wollmütze schob langsam einen Einkaufswagen mit seinen Habseligkeiten vorbei und ein anderer Mann schleifte einige Plastiksäcke hinter sich her und suchte in Mülleimern nach Flaschen. Wir fühlten uns wie im Film und ich sagte nur: Willkommen in Hollywood.
Eingang zum Griffith Park, einer schönen Oase im Norden Hollywoods
Um halb acht machten wir uns auf den Weg zum Griffith Observatorium. Im Griffith Park kamen uns etliche Jogger entgegen und einige Gruppen von Asiaten absolvierten ihr Schattenboxen. Um diese frühe Uhrzeit hätte ich außer einigen Jetlag-geplagten Europäern niemanden erwartet. Aber halt - heute ist ja Labor Day und die meisten Amerikaner brauchen nicht zu arbeiten.
Unterhalb des Griffith Observatoriums - am frühen Vormittag ist es noch schattig
Nach 50 Minuten Wanderung in Sichtweite des Hollywood-Signs waren wir oben am Griffith Observatorium angekommen. Leider hatte das sich im Innern befindliche Planetarium heute geschlossen, so dass wir nur den Blick über Los Angeles genießen konnten. Über der Stadt war es dunstig, was aber kein Smog sein konnte, denn heute gab es keine Rush Hour. Santa Monica lag komplett im Nebel und vom Pazifik her zogen Nebelschwaden in die Stadt und schienen den Dunst über LA zu verursachen. Schnell wurde es heiß, weshalb ich die kurze Wanderung ab dem späten Vormittag nicht machen möchte. Schließlich ist man dann die ganze Zeit in praller Sonne unterwegs.
Dunst über der Stadt, aber heute kein Smog
Im Motel haben wir nochmals geduscht und sind dann mit der Metro eine Station weiter zum Walk of Fame gefahren. In der Metro wurde mir bewusst, dass auch ich im entfernteren Sinne am Bau der Metro mitgewirkt habe. Die Tunnel der Metro in LA wurden mit Tunnelbohrmaschinen der badischen Firma "Herrenknecht", einer meiner Kunden, vorangetrieben. Fertigung, Vertrieb und Wartung der Bohrmaschinen werden von SAP-Software unterstützt, bei deren Einführung ich auch meine Finger im Spiel hatte.
Szene am Hollywood Blvd.
In Hollywood standen die üblichen Sehenswürdigkeiten wie Sterne angucken und Chinese Theater auf dem Programm. Hollywood haben wir schnell abgehakt und sind dann durch Nebenstraßen über den Sunset Blvd. zum Santa Monica Blvd. gelaufen. Wir wären jetzt gern zum Getty-Center gefahren, aber das hat am Labor Day leider geschlossen.
Typisches kleines Einfamilienhaus zwischen Hollywood Blvd und Sunset Blvd
Die Wohnviertel, die wir durchquerten, sahen bürgerlich und gepflegt aus. Trotzdem sind uns zwielichtige und verwahrloste Gestalten begegnet. In diesem Moment habe ich ein Vorurteil gegenüber den Amerikanern gestrichen. Bisher hielt ich die Amerikaner für lauffaul und belächelte sie, wenn sie ihre Kinder ab der Grundstücksgrenze in das Auto packen und zu Freunden fahren. Ich glaube, dieses Verhalten ist den krassen gesellschaftlichen Gegensätzen geschuldet, mit denen man auf der Straße konfrontiert wird. Wenn ich kleine Kinder hätte, würde ich wahrscheinlich genauso handeln, man weiß ja nie, wer sich da gerade auf der Straße herumtreibt.
Büroviertel vor Santa Monica am Santa Monica Blvd.
Vom Santa Monica Blvd. gings nach Beverly Hills. Wir haben leider den Rodeo Drive verpasst und sind dann einige Stationen später ausgestiegen und etwas durch Beverly Hills geschlendert. Hier waren deutsche Autos die Platzhirsche auf der Straße. Etwa jedes zweite Fahrzeug kam aus deutscher Produktion. Überhaupt machte ich die Erfahrung - je besser das Wohnviertel, desto deutscher die Autos.
Wir haben doch wirklich eines der Beverly Hills-Schilder am Moreno Drive entdeckt
Wir fuhren weiter nach Santa Monica. Heute am Labor Day schien die halbe Stadt an den Pazifik zu wollen. Entsprechend voll war der Bus. Was mir an den Metro-Bussen besonders gefallen hat - vorn am Bus konnten bis zu 3 Fahrräder eingehangen werdem. Ein älterer Herr sprach uns an und wir unterhielten uns bis Santa Monica über Gott und die Welt.
Stretch Pickup am Ocean Drive in Santa Monica
In Santa Monica sank das Thermometer schlagartig von 30°C auf 23°C. Nebelschwaden zogen vom Pazifik landeinwärts, lösten sich später am frühen Nachmittag aber auf. Nach dem Essen beim Thailänder ging's in die 3rd Street zum Einkaufsbummel. Ich brauchte noch ein paar T-Shirts. Wir wurden jedoch enttäuscht. Nicht nur hier, sondern auch später machte ich die Erfahrung, dass Bekleidung in den USA nicht unbedingt günstiger ist. Billige Textilien sind auf dem Niveau von kik und für Markenbekleidung in akzeptabler Qualität muss man auch Preise wie bei Peek & Cloppenburg zahlen. Auf akzeptable Preise kommt man häufig auch nur durch Aktionen wie "Take 3, pay 2". Nur Marken-Jeans und z.T. Marken-Turnschuhe sind durchweg preiswerter.
Schöne Häuser am Strand von Santa Monica
Am breiten Strand haben viele mexikanische Großfamilien ihre Pavillions aufgestellt und genossen den arbeitsfreien Tag. Santa Monica ist wirklich ein netter, gepflegter Küstenort und hat uns gefallen.
Mein favourite Hotel - Westin Bonaventure in Downtown
Weiter ging's den Santa Monica Blvd. entlang nach Downtown. Wir haben den falschen Bus genommen, denn eigentlich wollten wir über den Wilshire Blvd. nach Downtown. Auf der ca. 1 1/2-stündigen Fahrt sind wir durch die verschiedensten Stadtteile gefahren. Einmal dominierte die russische Sprache den Bus und die Geschäfte draußen waren in kyrillisch ausgeschildert, zuletzt sind wir durch ein übles Gebiet im Osten Hollywoods gefahren und sowohl die Straße als auch die Fahrgäste waren ungepflegt bis verwahrlost.
Vom Pershing Square hat man einen imposanten Blick auf die Skyline von Downtown
Von der Union Station ging's noch per U-Bahn zum Pershing Square. Auf den Wiesen des Pershing Square lagen viele Obdachlose und dösten vor sich hin. Mich wunderte es, dass die Polizei dies auf dem zentralen Platz in Downtown duldet und die Obdachlosen nicht des Platzes verweist. Aber für Amerika scheint der Anblick solch krasser Gegensätze - hier die Glaspaläste mit Bankern in Maßanzügen und gleich daneben die Obdachlosen - zur Normalität zu gehören. In Downtown standen noch die Walt Disney Concert Hall und die Zahnradbahn "Angel's Flight" auf dem Programm. Ich war überrascht, wie klein doch Downtown insgesamt ist. Man kann den gesamten Stadtteil mit seinen Wolkenkratzern bequem zu Fuß erkunden.
Angel's Flight - die Zahnradbahn in Downtown. Ich habe übrigens nicht gewusst, dass Downtown so hügelig ist.
Wir haben diesen Tag ein strammes Programm abgearbeitet und sind zu guter letzt im Dunkeln noch im Pool schwimmen gegangen. Wir freuen uns auf den nächsten Tag, denn morgen können wir endlich unser Wohnmobil in Empfang nehmen.
Der Pool vom Coral Sands Motel
Wow Thorsten,
Respekt - LA mit Bus und Bahn. So habt ihr sicher ganz andere Einblicke bekommen als der "normale" Touri. Ihr müßt aber auch total groggy gewesen sein.
Herzliche Grüße
Sonja
Trakki.Reisen
Hallo Thorsten,
Wer genügend Geld hat, kann sich auch Autos leisten, die doppelt so schnell sind, als man in den USA fahren darf.
Diese Gegensätze, von denen du schreibst, sind mir auch aufgefallen - wie kaum in einer anderen Stadt.
Kann man schon, aber vielen anderen Fußgängern bin ich dort zumindest nicht begegnet.
Herzlichen Gruß
Charly
Alle Wetter auf dem Colorado Plateau
Hallo Torsten,
ich bin auch beeindruckt, wie Ihr die Stadt erkundet habt!
Disen Eindruck hatten wir in diesem Jahr auch, in den Jahren zuvor war dies noch nicht so.
Auch ist uns Reichtum und Armut stark aufgefallen. (Ich spreche allerdings von Seattle un sogar von Vancouver/Kanada)
Dein Bericht gefäält mir.
Herzliche Grüsse Gisela
Hallo Gisela,
vielen Dank für die Blumen.
Was ich mit Bus und Bahn in LA durchgezogen habe , ist nicht jedem zu empfehlen. Insbesondere die Anreise mit Gepäck 2 x 23kg + Handgepäck am ersten Tag mit der Metro. Zum Glück habe ich eine Frau, die auch belastbar ist und so einige Aktionen von mir toleriert.
Aber ich mag's manchmal auf die harte Tour. Vielleicht liegt's daran dass ich als letzter Jahrgang Ende der 80er Jahre noch mit den Russen im Schützengraben gelegen habe.
Gruß Torsten