Unser Campground Cave Spring war wärmstens im Reiseführer empfohlen und gilt als einer der beliebtesten in der Gegend von Sedona. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch. Wir waren ja einen Tag zu früh dran dank unserer früheren Abreise vom Grand Canyon und mit ein bisschen betteln am Check-In konnten wir kostenlos umbuchen. Na immerhin. Der Campground liegt hübsch, aber keine 100m daneben führt der Highway entlang – ungewöhnlich für einen National Forest Campground, aber der Oak Creek Canyon ist an dieser Stelle recht eng. Bis nach Sedona sind es noch gute 20 Minuten Fahrt one-way, und weil unsere Kleine immer noch kein wahnsinniger Fan des Autofahrens ist, beschliessen wir, den Rest des Tages auf dem Camground mit ein bisschen spazieren gehen, in der Sonne sitzen und entspannen ausklingen zu lassen. Natürlich hat der Kühlschrank mittlerweile wieder versagt, aber auf dem Campground haben wir weder Telefonnetz noch Internet, müssen also die Kontaktaufnahme mit Cruise America auf den nächsten Tag verschieben.
Am nächsten Tag machen wir uns dann auf nach Sedona – ein kurioser Ort der über besondere Energiefelder, sogenannte „Vortexes“ verfügen soll und deshalb recht viele Menschen anzieht, die an so etwas glauben, oder die in einem der 5-Sterne-Resorts Wellnessbehandlungen machen. Die Umgebung ist malerisch mit viel rotem Stein und viel Grün dazwischen. Ein paar simple Wanderungen soll es auch geben. Die hatte ich zuhause auch rausgesucht, aber wenn man mit Baby Urlaub macht, ist irgendwie alles anders. Früher habe ich immer abends dann nochmal überlegt, was der Plan für den nächsten Tag sein würde, jetzt wanke ich nach vorne wenn die Kleine im Bett ist und ruhe einfach für ein paar Minuten aus bevor ich selbst ins Bett falle. Zwischendrin im Reiseführer was nachlesen ist auch nicht – unsere Maus kaut einfach zu gerne am e-Reader. Also sind wir irgendwie viel planloser als sonst unterwegs.
Wir sind mal wieder früh dran und machen erstmal die Hauptstraße unsicher. Matthias nimmt noch dazu Kontakt auf mit Kerstin, der Schwester einer Schulfreundin, die letztes Jahr hierher gezogen ist. Die Hauptstraße ist die typisch amerikanische Touri-Falle, erweitert um ein paar Yoga/Meditations/New-Age-Shops, also nichts, was für uns besonders interessant wäre. Dann meldet sich Kerstin und bietet an, mit uns eine kleine Wanderung zu machen – ihr Mann schafft es sogar auch, sich freizunehmen. Wir lassen uns vom Navi zu Kerstins Haus lotsen und parken in der Einfahrt. Auf einmal wird wieder deutsch gesprochen und trotz schon etwa 10 Jahren Leben in den USA hat Kerstin ihren Sauerländer Dialekt nicht ganz eingebüßt („woll“). Richtig witzig.
Wir ziehen los auf den Soldier’s Pass Trail und bei mir klingelts – yippie, den hatte ich rausgesucht J - und die beiden erklären uns ganz viel über die Landschaft und die Geschichte. Ein richtig super Hike mit tollen Eindrücken, für den wir Kerstin und ihrem Mann gar nicht genug danken können. Irgendwann werde ich dann unsicher, ob unsere Kleine das alles so gut mitmacht, und bitte darum, umzukehren. Schließlich ist es zum ersten Mal so richtig heißes Wüstenklima. Auf dem Rückweg schläft sie dann sogar richtig tief ein und ich mache mir auf einmal richtig Sorgen und habe die Warnung der Grand Canyon Ranger im Ohr – a quiet infant may not be sleeping, he may be unconscious (ein leises Baby schläft vielleicht nicht, es könnte auch bewusstlos sein) sagen sie in ihrem Ratgeber für das Wandern mit Kleinkindern. Als unsere Maus dann bei Kerstin im Haus recht schnell wieder aufwacht und quietschfidel ist, fällt mir dann deshalb auch ein Stein vom Herzen.
Ausgestattet mit noch ein paar Tipps für die Gestaltung unseres restlichen Tages machen wir uns dann wieder auf den Weg. Wir besuchen Airport Mesa, von wo aus man einen schönen Überblick über die Stadt hat und wo auch eine Vortex sein soll, von der wir nix merken. Hunger treibt uns anschließend zur Wildflower Bread Company, die es leider nur in Arizona gibt – unsere Salate sind fantastisch frisch und mit superleckeren Zutaten, dazu noch hervorragendes Brot. Unsere Maus ist dann auch schon wieder erschöpft von den vielen Eindrücken und so beschließen wir, zurück zum Campground zu fahren und die restlichen Sehenswürdigkeiten auf den nächsten Tag zu schieben.
Da Cruise America uns eine Werkstatttermin in ihrer Niederlassung in Phoenix am übernächsten Tag gegeben hat, fahren wir (wieder einen Tag zu früh) los Richtung Phoenix. Die Landschaft rund um Sedona ist wirklich sogar beim Rausfahren beeindruckend schön und das Klima sehr angenehm. Wenn man also diesen ganzen New-Age-Kram weglässt, ist es trotzdem immer noch ein schöner Flecken, um ein paar Tage auszuspannen.