Den Jet-Lag sind wir doch noch nicht ganz los, was sich daran zeigt, dass zwei von uns um 4 Uhr wach sind. Der Rest folgt gegen 6. Dabei lässt sich mit den Zusatz-Federbetten von Go North unter riesigen Deckenbergen so gemütlich schlafen, besonders weil draußen eine ordentlich kühle Seeluft ums WoMo weht. Auf dem Frühstückstisch (indoor) wird deshalb schon früh das Cerealien-Büffet ausgebreitet, das wir in jedem US-Urlaub aufs Neue genießen. So viele leckere Sachen.
Bevor wir hier abfahren, wollen wir aber noch mal an die Küste. Wir laufen heute nach links (Westen), wo es zwei weitere Zugänge zu den Uferfelsen gibt. Es ist 7:30 Uhr und nur vereinzelt springen schon Menschen, dafür aber viel mehr Möwen herum, und die Chipmunks sind natürlich auch schon wach (bleiben aber in den Bäumen oberhalb). Wieder herrscht eine mystische Morgenstimmung mit Nebelschwaden und Sonne im Wechsel. Der Pazifik, die Straße von Juan de Fuca, liegt sehr ruhig da. Seeanemonen und andere Gezeitentierchen finden wir nur wenige, weil der Wasserstand erneut ziemlich hoch ist, aber allein das Klettern über die Felsen macht sehr viel Spaß. Schroffe Küstenfelsen grenzen die vorgelagerten Bereiche von der nächsten Bucht im Westen mit großem Sandstrand ab. Dorthin führt aber kein Weg vom Park. Immerhin lässt sich der hübsch in der Bucht stehende Felsen aber gut fotografieren.
Salt Creek Recreation Area
Nach 2 Stunden ist unsere Platzrunde vorbei und Zeit für den Aufbruch. Uns sitzt heute die Ungewissheit im Nacken, wie früh man in Mora ankommen muss, um sich noch eine first come-first serve Campsite sichern zu können. Aber zunächst (nach dem kostenlosen Dumpen) steuern wir den Lake Crescent an. Eine knappe halbe Stunde später ergattern wir tatsächlich einen der letzten großen Parkplätze am Trailhead zu den Marymere Falls unweit des Seeufers.
Unser Loop soll uns auf dem Rückweg zum See bringen, deshalb überqueren wir direkt den Highway landeinwärts und wandern zu den Falls. Die Kinder sind in Entdeckerlaune und klettern auf querliegende Bäume, in Baumspalten (hier stehen die dicken Dinger) oder hohle Baumstämme. Es ist mild, fast schwül, und die Sonne scheint durch die hohen Baumkronen, die Luft riecht trocken-waldig und mannshohe Farne stehen zwischen den Baumriesen. Uns gefällt dieser „eigentliche“ Regenwald, wo überall „Gänsebart“ Moos herumhängt (wenn auch vollkommen ausgetrocknet), richtig gut.
Der Weg ist an diesem Sonntag morgen ordentlich frequentiert, aber wir nehmen das positiv und kommen immer wieder mit anderen Leuten ins Gespräch, wie einem deutschen Au-Pair-Mädchen, die eigentlich in Chicago lebt, aber ein reiselustiges Ärztepaar erwischt hat, das sie überall hin mitnimmt. Kurz vor den Falls spielen wir ein wenig am Bach, dann geht es einen schmalen Weg mit One-Way-Loop bis zu den etwas dürren Wasserfällen. Ganz nett, aber da sollte noch deutlich Spektakuläreres kommen auf dieser Reise
Marymere Falls Loop Trail
Zurück am Lake Crescent sehen wir kaum das andere Ufer. Es ist wahnsinnig diesig hier am Kiesstrand nahe der Lodge, die vom National Park Service betrieben wird. Wir erfahren, dass die Forest Fires in BC (Kanada) so intensiv brennen, dass sie an manchen Tagen die olympische Gegend komplett vernebeln. Leicht rauchig riecht es tatsächlich. Es ist trotzdem angenehm warm, um die 25 Grad, aber die Sonne kommt eben kaum bis unten durch. Die Kinder stört das nicht. Sie spielen vergnügt am bzw. im frischen Wasser und ein Kleidungsstück nach dem anderen wird durchnässt abgelegt. Derweil bewegen wir uns immer wieder mal von unserer Sitzbank Richtung Lodge, um über das free WiFi Nachrichten zu verschicken. Nach einem gemütlichen Sandwich Lunch spazieren wir über den „Moments in Time“ Trail zurück zum WoMo (13:30 Uhr).
Lake Crescent Ufer
Eine Stunde später biegen wir unter immer höheren Bäumen in den Mora Campground des NPS ein und spechten gespannt nach freien Sites. Im B-Loop (es gibt A-E) finden wir noch vier freie und reservieren uns eine. Lange halten wir uns aber nicht auf, denn wir wollen noch 2 km weiter zum Rialto Beach. Und dort sind wir zurück im pazifischen Küstennebel. Schon aus der Entfernung sieht man die weißen Logs, die sich am Strand auftürmen. Die Menge an abgeschliffenem Totholz und seine Dimensionen sind nach wie vor atemberaubend. Die Kinder drängen jedoch zunächst mal ins Wasser, zum ersten Mal in ihrem Leben in den Pazifik, während wir dick eingewickelt bei bestimmt kaum 10 Grad staunend nebendran stehen.
Als den Kindern dann auch zu kalt wird und wir sie im WoMo neu angezogen haben, starten wir ein lustiges Spiel: Nur auf den Baumstämmen, ohne den Boden zu berühren, am Strand Richtung Süden zu laufen bzw. klettern. Wir schaffen das tatsächlich einen Kilometer lang und es macht einen Riesenspaß! Das Holz ist wunderbar griffig und durch die Kletterei auch keinem mehr so kalt. Die Ausmaße mancher Bäume – und welche Kräfte diese hier bewegt haben müssen – sind einfach unglaublich. So etwas kennen wir Mischwald-Europäer nicht. Was für ein Erlebnis!
Rialto Beach
Als das Licht immer diffuser wird, ziehen wir uns nach Mora zurück. Hier gibt es das erste Campfire dieses Urlaubs und Burger und Würstchen vom Grill. Unsere Site ist (wie der gesamte CG) mitten im Wald zwischen hohen Bäumen, und auch hier ist es dank Hochnebel ziemlich maifrisch. Alle 3 Mädels sind irgendwie am Schniefen und erleben den 20-Uhr-Tagesschau-Gong nur noch schlafend, aber selbst mir fallen um 21:30 beim Tagebuchschreiben buchstäblich die Augen zu. Seeluft macht wohl müde.
Hike: Marymere Falls Loop, 2.8 km. Easy und ein schöner Einstieg in den olympischen Regenwald, dazu am Ende der wunderbare Lake Crescent (wenn man ihn sehen kann)
Hallo Daniel,
von der etwas diesigen Luft habt ihr euch zum Glück nicht entmutigen lassen und hattet einen wirklich tollen und abwechslungsreichen Tag. Den Rialto Beach fanden wir 2011 auch toll und wir haben ganz ähnliche mitgebracht.
Was für ein witziges Tier habt ihr da eigentlich bei den Wasserfällen aufentdeckt?!
LG, MIke
Liebe Grüße, Mike
Experience!
Scout Womo-Abenteuer.de
Hallo Mike,
die Kinder hatten einige dieser Gummitiere dabei und platzierten sie an passenden Stellen, um davon Fotos zu schießen. Lustiges Spiel, das sie auf ein paar Hikes beschäftigt (und abgelenkt) hat, und es kamen tatsächlich auch einige witzige Fotos dabei raus
LG,
Daniel
Hallo Daniel,
bei aller Flexibilität, die man hat, wenn man nichts vorbucht oder vorbuchen kann... Mit Kindern ist das immer ein etwas unwohles Gefühl, wenn man nicht sicher weiß, was einen am Ende des Tages erwartet. Wir hatten das in Kanada (in der Hauptsaison) bei über 50% unserer Übernachtungen, dass wir nicht wussten, wo wir abends einen Platz bekommen würden. Das fand unser Sohn nicht immer ganz lustig.
Voll verladen habt ihr mich mit dem Bild des Chamäleons (?).
Tolle Bilder des heutigen Tages, begeistert mich immer wieder, wenn ich Bilder der schönen rauen Strände dort sehe.
Liebe Grüße
Elli
Scout Womo-Abenteuer.de