Es ist ein gemütlicher Morgen im Wohnmobil und wir schlafen lang. Draußen wird es nur zögerlich warm, unter den hohen Bäumen kommt das Licht eben nicht so gut durch. Dabei strahlt heute wieder die Sonne vom blauen Himmel und macht den einen grauen Tag von gestern vergessen. Wir verlassen diesen beschaulichen Ort gegen halb elf und wollen auf dem Weg zurück noch den „Head of the Metolius“ anschauen.
Hier „entspringt“ dieser doch recht mächtige Fluss quasi aus einem Felsen. Es sind vom Parkplatz nur ein paar Schritte bis zur Quelle und sehr viel kann man hier auch nicht machen, aber es ist dennoch ein schöner, idyllischer Ort. So schön, dass sogar ein üppig dekoriertes Brautpaar in voller Montur hierhergekommen ist, um Hochzeitsfotos von sich schießen zu lassen. Mittlerweile ist die Luft angenehm warm geworden und es ist fast ein wenig schade, dass wir dem Metolius jetzt schon wieder Goodbye sagen müssen.
Metolius River am Allen Springs CG (li.), Head of the Metolius (re.)
Strecke vom Allen Springs CG zum Dee Wright Observatory, via Black Butte und Sisters
Nur eine halbe Stunde später haben wir uns auf 5600 Fuß hoch zum McKenzie Pass gekämpft. Hier steht das Dee Wright Observatory inmitten des großen Lavafelds des Belknap Craters. Die Straße führte zuvor durch völlig verkohlte Waldreste und zum Schluss durch hohe Lavabrocken. Am Observatory finden wir problemlos einen Parkplatz, obwohl es nicht sehr viele davon gibt, und gehen gleich zum Aussichtstürmchen hinauf. Wir sind am richtigen Tag hierher gekommen. Zwar weht ein kalter, manchmal böiger Wind, aber die Luft ist unglaublich klar und die Aussicht fantastisch. Wir schauen auf ein riesiges schwarzes Lavafeld, dazwischen Inseln von Wald (teils grün, teils Streichhölzer), Täler und Berge mit Gletschern (South Sister), die in der Sonne glitzern. Noch so ein magisch schöner Ort in diesem Wunderland.
Dee Wright Observatory und Rundweg. In der Mitte die beiden "Sisters" (links North, rechts South)
Das aus Vulkansteinen gebaute Observatory ist an sich schon sehenswert, und der 1 Meile lange Trail durch das Lavafeld mit den vielen Infotafeln ist es auch. Heute sind die Kinder neugierig und wollen bei jeder der schön illustrierten Tafeln wissen, worum es dort geht. So ist der kurze Trail auch noch recht kurz-weilig. Beeindruckend sind die ersten Bäumchen und Büsche, die sich irgendwo festgekrallt haben und seltene Farbtupfer bilden. Hier herrscht über viele Monate Frost und Schnee, dazu viel Wind, und die Bedingungen für Leben sind äußerst hart. Auf einer Tafel wird erklärt, dass das hier abfließende bzw. versickernde Wasser nach einer Theorie an anderer Stelle als Metolius River wieder an die Oberfläche tritt…
"Waldinseln" im Lavafeld
Wir lunchen im WoMo und rollen dann weiter auf einer anspruchsvollen Berg- und Tal-Kurvenpiste auf dem Hwy 242 wieder hinab in die grüne Welt auf der „Pazifikseite“ der Kaskadenberge. Augenblicklich wirkt die Landschaft wieder viel satter und feuchter als beispielsweise am Metolius; die Wetterscheide wird hier sehr deutlich.
Als nächstes kommen wir am Trailhead zu den Proxy Falls (Loop Trail) vorbei und halten an. Heute haben wir das Problem, dass erstens das lange Labour Day Weekend beginnt und zweitens wir keinen CG reserviert haben, weil man in der Zielgegend am McKenzie River immer mindestens zwei Nächte hätte reservieren müssen. Also wägen wir ab, ob wir uns erst einen Platz und eine Site suchen sollen oder den Hike vorziehen, wenn wir schon mal direkt am Straßenrand einen guten Parkplatz gefunden haben. Da es schon halb drei ist, entschließen wir uns für den Hike.
Proxy Falls Loop Trail
Zuerst geht es durch eine überwachsene Basaltlavafläche mit ein bisschen Kraxelei und durch lichten Wald. Schon bald kommt der Abzweiger zu den Lower Proxy Falls, die schon aus der Ferne zu sehen und zu hören sind. Nach kurzem Abstieg stehen wir an dem Bach, der das Wasser der Fälle fortträgt. Um zu den Fällen zu gelangen, müssen wir jetzt einen Weg durch bzw. über den Bach finden, der hier quasi überall ganz flach entlangfließt. Die Kids sind wie elektrisiert. Sie klettern und kraxeln zum Teil mit allen Vieren über die Steine, über Baumstämme und Wurzeln, durch Bäume hindurch, und wir können ihnen kaum folgen. Das letzte Stück kann man am Hang seitlich des Baches laufen, ein Stück bergauf, und dann stehen wir direkt unter den Fällen. Es sind ohne Übertreibung die schönsten und beeindruckendsten Wasserfälle unserer bisherigen Reise. Wir sind total geflasht von den schieren Wassermassen, die hier neben uns herunterprasseln. Der Sprühnebel tränkt unsere Klamotten und die Haare, überall hängen kleine Tröpfchen. Die Kinder finden es super-witzig und schreien gegen das ohrenbetäubende Getöse an. Es sind außergewöhnliche Eindrücke und kaum mit Bildern oder Videos zu erfassen.
Lower Proxy Falls
Hier oben, direkt unter dem Wasserfall, ist niemand. Einige andere Besucher stoppen ihre Bemühungen weiter unten am Rand des Baches, da es ja keinen Trail näher zu den Fällen hin gibt. Wir haben aber unseren Spaß daran, auch den Weg zurück wieder über die Steine und Äste zu hüpfen, und am Ende ist außer einer nassen Sandale nichts Größeres zu vermelden.
Der Weg führt dann weiter zu den Upper Proxy Falls, die leichter zu erreichen sind als die Lower Variante. Sie sind weniger hoch und führen auch weniger Wasser. Hätte man die Lower Falls nicht gesehen, wäre man durchaus zufrieden mit den Upper Falls, nach unserer Erfahrung von gerade eben sind wir aber nicht mehr zu beeindrucken Deshalb lassen wir die Upper Falls recht schnell hinter uns und laufen den Loop Trail zurück zum WoMo, das wir um halb fünf erreichen.
Bachquerung (li) und die Upper Proxy Falls (Mi./re.)
Bis zum ersten möglichen CG sind es nur 8 Meilen, er heißt Limberlost und liegt rechts des Hwy 242, noch bevor dieser auf den größeren McKenzie Highway (126) trifft. Wir schauen uns mal um und stellen fest, dass unsere Befürchtung, am langen Wochenende nichts zu finden, total unbegründet ist. Der kleine Platz am Lost Creek (12-14 sites) gehört zu den NFS Primitive Campgrounds und hat noch eine Menge von Sites, die für heute nicht reserviert sind (Bilder vom CG kommen morgen). Wir schnappen uns eine schöne (#5) unter hohen Pinienbäumen mit Regenwaldfeeling, und der recht satt strömende Fluss fließt direkt hinter unserer Site. Sein Wasser ist absolut glasklar - man kann komplett bis zum Boden schauen, es schwimmen überhaupt keine Partikel darin! Auch hier gilt: Reinfallen ist lebensgefährlich, die Strömung ist stark und das Wasser eiskalt!
Dee Wright via Proxy Falls nach Limberlost CG (8 Meilen hinter Proxy Falls)
Am WoMo erleben wir dann unser erstes technisches Problem: Komplettausfall der WoMo-Elektronik. Nichts geht mehr, der Kühlschrank wird nicht mehr gekühlt und kein Licht leuchtet. Fieberhaft lese ich die Anleitung durch, Sektion Troubleshooting. Als ich eine Viertelstunde später wieder ins WoMo gehe, um etwas zu holen, und dabei die Tür zuschlage, gehen alle Lichter auf einmal wieder an. Also eine Art Wackelkontakt irgendwo in der zentralen Bordelektronik?! Natürlich finde ich keine fehlerhafte Sicherung, als ich mit Licht dann noch hinter die Klappen schaue. Für den Rest des Tages sind wir ganz vorsichtig mit unseren Türen, nicht dass das Ganze auch in der umgekehrten Richtung geht…
Da es noch recht früh ist (kurz vor 6), spielen die Kinder am Platz und wir schreiben Tagebuch. Ein Feuer dürfen wir hier leider nicht machen (Fire Ban), so gibt es die Wurscht eben aus der Pfanne. Keine gute Idee, wenn man den Putzaufwand hinterher in Betracht zieht… Würstchen gehören eben wirklich (nur) auf den Grill
Trotzdem sitzen wir heute noch länger draußen in einer milden Abendluft bei herrlichem Wetter, und auch hier gibt es netterweise keine nervigen Mücken oder andere Plagegeister. Nur die Kinder sind merkwürdig aufgedreht und kommen abends kaum zur Ruhe. Vielleicht sollten wir sie etwas mehr fordern, die kleinen Wanderungen heute waren ja kilometermäßig eher mager…?
Hi Daniel,
richtig tolle Wasserfälle in idyllischer Umgebung, vor allem der Lower Fall ist klasse! Ihr habt zwar immer mal wieder dickere Jacken an, aber im Großen und Ganzen hattet ihr richtiges Wetterglück, oder?
Liebe Grüße
Elli
Scout Womo-Abenteuer.de
Hi Elli,
absolut - da gibt es nichts zu meckern. An zwei Tagen der Reise hat es mal fünf Tropfen geregnet, und das war an Fahrtagen. Der Küstennebel und Feuer-Dunst hat manchmal die Sonne getrübt oder uns durchgechillt, aber ansonsten was das Wetter großartig. Speziell an der feuchten Küste kann man sich darauf ja nun wirklich nicht verlassen (auch wenn die Sommer meistens schön sind, hat ein Ranger im Olympic Park erzählt).
LG, Daniel