Der Morgen startet bedeckt. Beim vorletzten US-Frühstück heute bekommen wir schon einiges weg, aber es ist eindeutig noch zu viel für morgen früh übrig! Der Verleiher hatte uns am Anfang empfohlen, vor der Rückgabe durch eine Waschstraße zu fahren, damit das WoMo auch von außen sauber ist. Allerdings sollten wir das außerhalb Seattles tun, da viele Waschstraßen in der City die großen WoMos nicht verarbeiten können. Unser WoMo sieht aber eigentlich noch ganz gut aus. Wie lassen die Kinder noch ein bisschen in den Bäumen dieser schönen Site spielen, und währenddessen verwandele ich mich mit Glitzi und Eimer in meine eigene Waschstraße.
Nachdem das Werk vollbracht ist, fahren wir um halb elf ein Stück zurück an die Hauptkreuzung des Parks nahe des „Waikiki Beach“. Wir wollen von hier zum Alten Leuchtturm wandern. Zunächst schauen wir am Beach vorbei – dunkler Sand, viel Treibholz, und Felsen mit Kormoranen. Angler stehen am Rand und fischen, dahinter rollen Lastwagen mit riesigen Steinen in den Park. Sie arbeiten an der Ausbesserung der Mole. Dadurch – und durch das trübe Wetter – hat dieser Strand leider so gar nichts Idyllisches. Es ist übrigens der einzige „swim-safe“ Beach im ganzen Park.
Waikiki Beach, Cape Disappointment State Park
Der Wanderweg führt über die Felsen und durch den Küstenwald bis zum Lewis & Clark Interpretive Center mit Gift Shop. Es hat einen schönen Aussichtsbalkon auf das Meer. Die Molen sowie Leuchttürme draußen im Wasser signalisieren den Schiffen den Weg zur Fahrrinne in dieser navigationstechnisch sehr schwierigen Flussmündung.
Lewis & Clark Interpretive Center Aussichtsbalkon, hinten der Leuchtturm. Rechts das Center aus der Entfernung, dahinter Waikiki Beach
Der Alte Leuchtturm ist gefühlt nur einen Steinwurf entfernt, aber da wir noch eine schöne, schmale und von Felsen eingeschlossene Bucht (Deadman Hollow) umwandern müssen, dauert es doch ein bisschen länger als gedacht. Am Leuchtturm kann man in den Columbia River landeinwärts schauen und ebenso die lange Astoria Brücke erkennen, die wir gestern gefahren sind. Tiefhängende Wolken hängen über der Wasserfläche. Jedoch gibt es hier sonst nichts weiter zu tun, der Leuchtturm ist nicht zugänglich.
Deadman Hollow Bucht, Alter Leuchtturm und Blick in den Columbia River
Also gehen wir zurück zum L&C Center und lugen mal hinein. Die kostenpflichtige Ausstellung u.a. über die Expeditionen von Lewis und Clark erscheint uns für die Kinder zu anspruchsvoll (in Englisch), und da wir unsere lange Fahrt nicht zu spät starten wollen, begnügen wir uns mit Souvenirs und laufen zurück zum WoMo. Diese kleine Wanderung war keine Offenbarung, zum Füßevertreten aber ganz brauchbar.
Wir folgen Highway 101 Richtung Norden bis nach Aberdeen. Dabei fällt auf, dass wie schon auf den ersten Tagen dieser Reise in Washington so etwa die erste halbe Meile von der Küste unter Hochnebel liegt, im Landesinneren aber herrlich die Sonne strahlt. Der Highway entfernt sich des Öfteren von der Küste und führt scenic durch eine abwechslungsreiche Landschaft, die gar nicht mehr besonders von Felsen und Stränden geprägt ist, sondern mehr von seichten und schilfreichen Gebieten sowie vielen Flüssen.
Heute nachmittag um 16 Uhr öffnet sich das Check-in Fenster für unseren Rückflug. Da wir nicht wieder in Gefahr laufen wollen, die letzten Plätze zu erwischen, halten wir Punkt vier an einem Wal-Mart in Lahey. Der Check-in via Tablet und Wi-Fi klappt auf Anhieb (zum Glück muss man die Passdaten nicht nochmal eingeben), und wir können auf beiden Flügen alle nebeneinander sitzen. Weil wir schon mal hier sind, shoppen wir noch Mitbringsel. Und da wir zudem gerne ein paar Amerika-Souvenirs (im US-Design) mitbringen würden, steuern wir danach noch den Dollar Tree an, nachdem das in Kanada beim Dollarama damals super geklappt hatte (mit kanadischem Merchandise). Hier jedoch tote Hose! Vielleicht ist Lahey einfach weit jenseits nennenswerter Touristenströme? Oder die Menschen im Nordwesten nehmen den zur Schau getragenen Patriotismus eben nicht so ernst wie ihre Kollegen in den Südstaaten. Die Einstellung vieler Locals, mit denen wir auf der Reise gesprochen haben, war jedenfalls eher liberal und besonnen.
Bis zum Dash Point sind es noch 45 min, aber die Strecke durch Tacoma ist abenteuerlich. Ohne Navi wären wir hier hoffnungslos verloren gewesen. Die Anzahl Spurwechsel und Abbiegungen muss fast dreistellig gewesen sein Das letzte Stück bis zum State Park führt direkt am Wasser entlang, sehr gemächlich, was uns erlaubt, einen Blick auf die wohlhabenden Häuser zu werfen. Dann ein Stück den Berg hinauf, und wir erreichen den East Entrance des Dash Point SP. Der Day-Use-Bereich und Zugang zum Meer (Puget Sound) liegt links der Straße, der CG rechts – hier ist niemand mehr am Check-In, aber unsere Site ist reserviert und demzufolge auch frei. Es ist eine relativ schmale Site ohne Privacy, sogar die Tischbank steht direkt neben den Nachbarn. Das macht heute nichts, denn es sind nette Leute, die seit Mai mit ihrem WoMo durch Amerika unterwegs sind und sogar noch weiter nach Kanada wollen… so eine lange Reise würde uns sicherlich auch schmecken
Der Abend ist mild, die Sonne ist schon hinter den Bäumen verschwunden, und für einen Besuch der Day-Use-Area ist es im Angesicht der anstehenden Packerei zu spät. Wir kochen uns fix Nudeln, da wir uns nicht mit Feuer aufhalten wollen. Das restliche Holz nehmen die Nachbarn uns gerne ab. Nach dem letzten US-Abendessen im Freien beginnt die Packorgie. Um 22 Uhr pausieren wir kurz, weil die Kinder durch unseren Krach keinen rechten Schlaf finden können. Irgendwie ist es ihnen auch zu warm.
Wir wollen duschen im nahe gelegenen Waschhaus, aber dort ist die Männerdusche wegen Vandalismus gesperrt und sowohl Frauen als auch Männer benötigen Tokens, die wir nicht haben. Also nichts war’s. Es passt ein wenig zum Gesamteindruck des Parks, der mit 53 $ zudem noch einer der teuersten der Reise war (bei full hookup). Stattdessen packen wir weiter bis halb zwölf und fallen schließlich kaputt ins Bett. Man hört Flugzeuge und hupende Züge – Dash Point ist zwar schön grün, aber letztlich doch mitten in der City.
Hike: Waikiki Beach to Old Lighthouse, ca. 5 km return