Womo-Abenteuer

Nordamerika im Wohnmobil erleben!

Tag 42: Von Altus / OK über Lake Thunderbird SP nach Norman, Oklahoma City

7 Beiträge / 0 neu
Letzter Beitrag
Beate 'road runner'
Bild von Beate 'road runner'
Offline
Beigetreten: 10.11.2010 - 14:07
Beiträge: 3071
Tag 42: Von Altus / OK über Lake Thunderbird SP nach Norman, Oklahoma City
Eckdaten zum Reiseabschnitt
Gefahrene Meilen: 
187 Meilen
Fazit: 
“A crazy day for Oklahoma City“ und wir hatten den Tornado knapp im Rücken.

Montag, 20. Mai 2013

Boondocking am Best Western Hotel Norman, nahe Lake Thunderbird SP / OK

Späte Abfahrt gegen 10 Uhr, weil keine größeren Abstecher bzw. Aktivitäten geplant. Nach einem kurzen Foto-Abschied vom See entdecken wir an seinem Ufer einen riesigen Fisch, der bis auf den Kopf bereits aufgefressen war. Allein dieser Rest mit immerhin noch knapp 30 cm Länge verdarb uns jegliche Gelüste auf das Schwimmen im See. Dennoch ist der Campground schön gelegen und empfehlenswert. Weiter geht’s.

Um die nach wie vor trostlose Strecke nicht künstlich in die Länge zu ziehen, verzichten wir heute auf allzu viel Landstraße. Lediglich eine der beliebten Abkürzungen unseres Drivers führt uns auf diese texas-typische Farm Road.


Weiter nehmen wir noch den kurzen Abstecher zum Great Plains State Park aus der Highlight-Liste des Forums. Und berechtigt, denn mit waagerechten Sites, Wasser und Strom bietet dieser aufgeräumte Platz einen wundervollen Seeblick von allen Plätzen. 20 $ und keine Zusatzkosten wie Entrance- oder State Park Fees.

 

Erfreulicher Weise zeigen sich heute Strecke und Landstriche von einer wesentlich interessanteren Seite, die Straßendörfer sind wieder belebt, ordentlich und zum Teil gar attraktiv. Kurz vor Lawton geht es noch zum Bunkern in ein Wal*Mart Supercenter und gedanklich finden wir uns schon im nahen Lake Thunderbird State Park, unserem heutigen Tagesziel.

Erstmals auf dieser Reise werden wir auf der I-44 zu einem kleinen Wegezoll (3 $) aufgefordert, was weiter nicht schlimm gewesen wäre. Hätte uns nicht eine freundliche Kassenwärterin nach unserer “Tornado-Erfahrung“ gefragt? Ich traute meinen Ohren nicht, als mein Driver dies mit “no problem“ erwiderte! Vorsichtshalber wird jedoch daraufhin die Country- und Westernmusik durch einen lokalen Nachrichtensender ersetzt und bald schon schrillt dort das nervige Signal der amerikanischen Unwetterwarnung. Wir drehen laut auf, doch die synthetische Stimme des Spreches ist für uns kaum zu verstehen. Weit über 40 Tornados seien gerade in ganz Oklahoma unterwegs und am Gewaltigsten sind wir ganz dicht dran. Die geringe Ortskenntnis macht uns zusätzlich nervös, nur eines ist unmissverständlich: Wir befinden uns unmittelbar im Umfeld eines gefährlichen Tornados. Teils in Unkenntnis, teils beschwichtigend, versuchen wir das Ganze etwas herunter zu spielen und beobachten mit unserer “exzellenten“ Vorort-Wetterkenntnis des Szenario am Himmel ringsum zu deuten. Vorne und zur Rechten noch hell, links und hinter uns gefährlich dunkel, fast schwarz: Also Gaspedal auf Anschlag und ab geht die Post. „Wir fahren dem schlechten Wetter davon“, beschwichtigt unser Driver. Und wir verlassen die Interstate bei der nächstmöglichen Ausfahrt, Newcastle. Bald sind wir am Lake Thunderbird (der Name passt heute besonders gut), der uns lediglich mit seinem aufgewühlten und lehmbraunen Wasser irritiert. Über eine ausgesetzte Landbrücke geht es durch den tiefen Wald zum ersehnten Campground. Doch er ist menschenleer, kein einziges Zelt, kein Trailer, kein RV und der Host? Ergebnislos das Klopfen an seinem Trailer, auch sein Pickup ist weg. Bei mir entwickelt sich ein Schreckenszenario. Als dann zu allem Überfluss auch noch die Tornadosirene durch den gesamten Park dröhnt, ist es auch Toni zuviel. Nichts wie raus hier: Unwetter oder gar ein Tornado inmitten lauter Bäume, nein danke. Wir verlassen die gespenstisch wirkende Stimmung und tanken sicherheitshalber unseren Langen an der nächstgelegenen Station auf. Man weiß ja nie und mehr Eigengewicht kann auch nicht schaden. Ein liebenswerter und hilfsbereiter Einheimischer beantwortet uns die besorgten Fragen zunächst mit “sit down and pray“ – natürlich spaßeshalber, bevor er uns seine wertvollen Tipps gibt:

1. Don’t drive into Oklahoma City (genau dort wollten wir eigentlich hin)
2. Fill up your Gas-Tank, you’re even heavier (schon erledigt)
3. You have a good chance within your RV, the Fuel-Station aside is not very secure.
4. Why not going back to the Lake CG, it’s no difference there (nein danke)

Als er uns schließlich noch um ein Foto vor dem RV zusammen mit der Tankwärterin bittet, nimmt das Ganze schon ewas skurile Züge an. Wir erfüllen ihm diesen (letzten?) Wunsch, zusammen mit unserer e-Mail Adresse zum Nachschicken. Jetzt heißt es aber kühlen Kopf bewahren und mein Vorschlag, in einem nahen Hotel abzuwettern wird sofort in Angriff genommen. 8 mls fahren wir wieder zurück in westlicher Richtung, um im nächsten Hotel, dem Best Western Norman die Lage zu analysieren. Freundlicher Empfang, aber kein Strom mehr und folglich kein Check-in möglich. Wir essen eine Kleinigkeit im RV und verfolgen nervös weiter die Unwetterwarnungen im Radio und per TUI-Stick im Internet: Am frühen Nachmittag verwüstet ein Tornado entlang der I-44 den Ort Newcastle, wo der sogenannte Touch-Down erfolgte - um sich weiter nordöstlich in Moore, einer südlichen Trabantenstadt von OKC gänzlich auszutoben. Häuser abgedeckt, Schulen eingestürzt, kein Strom und Wasser, Personenschäden derzeit noch unbekannt.

Wir fuhren exakt zu dieser Zeit auf der I-44, an Newcastle vorbei und sind keine 4 mls vor Moore östlich zum Lake Thunderbird abgebogen. Dass wir uns also nicht mit dem Tornado gekreuzt haben, grenzt an ein Wunder. Vermutlich waren wir kurz vor ihm und haben gerade noch rechtzeitig vor dem Touch-Down die Interstate und damit die Schneise der Verwüstung verlassen. Am Lake Thunderbird mit den schrillen Sirenen waren wir, ohne es zu wissen in Sicherheit, wenn auch keine 5 Meilen vom Chaos entfernt.

 

Wir stehen nicht auf rotem Sand eines Tennisplatzes, die Fotos sind unbearbeitet.

 

Amerikanische Hilsbereitschaft kennt keine Grenzen: Selbstverständlich hätten wir die 60 $ für ein sicheres Dach über dem Kopf investiert, aber der freundliche Portier gestand uns sogar die kostenlose Übernachtung am Parkplatz zu. Wenn’s uns dann doch zu ungemütlich werden sollte, könnten wir ja immer noch einchecken oder zumindest in der Lobby “Schutz” suchen.

 

Die ganze Nacht über hören wir die Sirenen der Einsatzkräfte. Mit den Gedanken an die möglichen Opfer der Katastrophe fallen wir schließlich in einen unruhigen Schlaf.

Have a good night – auf dem Best Western Parkplatz vor dem Tornado in Sicherheit?

 

Liebe Grüße,
Beate

Unser Reiseblog 5Jahreszeiten

dreamtiem
Bild von dreamtiem
Offline
Beigetreten: 24.09.2010 - 12:45
Beiträge: 1104
RE: Tag 42: Von Altus / OK über Lake Thunderbird SP nach Norman,

Liebe Beate - eine gespenstige Stimmung strahlt euer WoMo-Foto aus. Das war sicher eine Erfahrung, auf die Ihr liebend gern verzichtet hättet - aber zumindest könnt Ihr nun wirklich behaupten, das Ihr Tornado-Erfahrung habt. Und Euer Glücksengel hat Euch nicht aus den Augen verloren, das ist auch viel wert gewesen :)

Liebe Grüße
Margit

„Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.” - Mark Twain

 

Trakki
Bild von Trakki
Offline
Beigetreten: 24.11.2011 - 17:05
Beiträge: 7600
RE: Tag 42: Von Altus / OK über Lake Thunderbird SP nach Norman,

Hi Beate,

da wird mir ja schon vom Lesen Angst und BangeSurprised. Eieiei, so etwas muss man nicht haben. Gut, dass ihr ungeschoren davon gekommen seid. Ich hätte in der Nacht keine Auge zugemacht. Dieser Alarmton hat uns auf der Strecke von Denver aus Richtung Norden auch ganz schön aufgeschreckt. Und wenn man dann nur Bruchstücke versteht meint man immer etwas Wichties zu verpassen. Ich habe da meinen "Driver" ganz schön verrückt gemacht.

Herzliche Grüße

Sonja
 

Trakki.Reisen

Tingi
Bild von Tingi
Offline
Beigetreten: 28.11.2012 - 16:27
Beiträge: 704
RE: Tag 42: Von Altus / OK über Lake Thunderbird SP nach Norman,

Hallo Beate u. Toni,

mir ist beim Lesen auch ein wenig der kalte Schauer über den Rücken gelaufen. Die Fotos sprechen Bände!  Und dass ihr einen unruhigen Schlaf hatte, kann ich nur allzu gut verstehen.

Liebe Grüße

Sigi

Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.

Aurelius Augustinus

gafa
Bild von gafa
Offline
Beigetreten: 30.07.2010 - 19:24
Beiträge: 8531
RE: Tag 42: Von Altus / OK über Lake Thunderbird SP nach Norman,

Hallo  Beate,

da waren wohl wirklich all Eure Schutzengel bei Euch und knapper hätte es ja wirklich nicht mehr sein können. Da wär mir Schreck so richtig in die Glieder gefahren und Euch ja wohl auch.

Wir hatten 2011 ja auch zweimal solche Tornado Alarme im Radio, tja und da kam dann auch gleich die Frage auf was nun tun. Wir waren ja zu viert mit zwei WoMo's unterwegs und sind dann auch gleich mal zur nächsten Tankstelle gefahren um uns genauer zu erkundigen weil wir die Durchsagen nur teilweise verstanden hatten und auch die verschiedenen Ortsangaben mangels Ortskenntnis nicht wirklich genau einordnen konnten. An der Tankstelle erfuhren wir dann dass die Wetterfront schon nördl. Richtung Minneapolis abgezogen sei und wir hier in Sicherheit seien. Außer einem heftigen Gewitterregen. Am nächsten Morgen erfuhren wir dann dass es in den nördl. Stadtteilen von Minneapolis zu schweren Schäden und auch Toten gekommen ist.

Ja diese Erfahrungen braucht man auf einer Urlaubsreise wirklich nicht.

Das seltsame war bei uns auch dass es an diesem Tag bei uns eigentlich richtig schön sonnig war und  erst kurz vor der Radiomeldung so ein wenig Gewitterwolken wie im Hochsommer bei uns Zuhause aufgezogen sind. Bis es dann doch sehr schnell am Himmel ziemlich schwarz/grün wurde und das kennen wir hier bei uns auch schon weil dann meist richtig starker Wind und Hagel kommt aber halt kein Tornado, gott sei Dank.

Liebe Grüße
Gabi

Scout Womo-Abenteuer.de

Genieße jeden Tag, denn es könnte auch dein letzter sein

RioBine
Bild von RioBine
Offline
Beigetreten: 06.01.2012 - 22:02
Beiträge: 2211
RE: Tag 42: Von Altus / OK über Lake Thunderbird SP nach Norman,

Hallo Beate,

mensch, da wird einem ja beim Lesen schon anders. Solche Momente der Angst sind schrecklich und da die Ruhe zu bewahren ist sicherlich nicht einfach. Vor allem stelle ich mir die Frage, wo stellt man sich in so einem Moment mit einem Womo hin? In den Schutz von grossen Baeumen, oder Gebaeuden oder in freier Flaeche stehen bleiben? 

Ich habe bei den starken Windboeen im Cheyenne Mountain SP schon kaum ein Auge zu getan, so wurden wir durchgeschuettelt. Und das war nur ein Wetterumschwung. 

Naturgewalten sind unberechenbar und es ist wahrlich schwer, eine Situation richtig einzuschaetzen. Auf unserer letzten Reise sind wir in ein Buschfeuer gekommen, ausgerechnet auf der schwierigsten Strecke der ganzen Reise, in Botswana kurz vor der Grenze zu  Namibia. Was machen? Und weil wir lange nicht wussten was wir machen sollten, sind wir einfach weitergefahren. Und haben Glueck gehabt.  Es war die richtige Entscheidung gewesen. In dem Moment aber ein Lotteriespiel. Nachdem wir aus der Gefahr raus waren, mussten wir Frauen uns erst mal hinters Auto hocken.... 

Ihr hatten einen guten Schutzengel!

Freue mich auf eure Weiterfahrt. Auf den zweiten Teil eurer Reise, der landschaftlich so sehr anders ist....

LG,

Bine

Liebe Gruesse aus dem suedlichen Amerika,

Bine + Dieter

Beate 'road runner'
Bild von Beate 'road runner'
Offline
Beigetreten: 10.11.2010 - 14:07
Beiträge: 3071
Hallo zusammen, da habt Ihr

Hallo zusammen,

da habt Ihr wohl alle recht, diese Art von Urlaubserlebnisse braucht niemand. Erschreckend daran war, dass man sich gegenüber den Naturgewalten so hilflos und ausgeliefert fühlt und hofft instinktiv das Richtige zu tun.

Erstaunlicherweise hat ja doch so mancher von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht. Was mich angeht, dränge ich heute nicht mehr darauf zur Tornadozeit den mittleren Westen zu bereisen.

 

Liebe Grüße,
Beate

Unser Reiseblog 5Jahreszeiten